Nach vier Jahren im Dienst: Emotionaler Abschied Powells aus State Department!
- Rührung war dem Ex-Militär ins Gesicht geschrieben
- Scheidender US-Außenminister telefoniert mit Fischer
Nach vier Jahren als Außenminister der USA hat sich Colin Powell am Mittwoch offenbar schweren Herzens aus dem State Department verabschiedet. Dem 67-jährigen Vier-Sterne-General stand die Rührung ins Gesicht geschrieben, als ihn hunderte Mitarbeiter des Außenministeriums in Washington mit donnerndem Applaus feierten. Auf einem Großtransparent stand: "Außenminister Powell, wir alle danken."
Powell würdigte in einer Rede das diplomatische Korps als "Botschafter der Werte Amerikas". Zur selben Zeit stellte sich seine Nachfolgerin Condoleezza Rice wenige Kilometer entfernt am zweiten Tag im Folge den Fragen des Senats, der ihre Nominierung noch bewilligen muss.
In einem Telefonat nach Berlin nahm Powell auch persönlich Abschied von seinem deutschen Kollegen Joschka Fischer (Grüne), wie der Sprecher des State Department, Richard Boucher, mitteilte. Den beiden Ministern wird trotz des Streits um den Irak-Krieg ein gutes persönliches Verhältnis nachgesagt. Powell rief den Angaben zufolge auch seinen französischen Kollegen Michel Barnier und den russischen Außenminister Sergej Lawrow an. Deutschland, Frankreich und Russland hatten im UNO-Sicherheitsrat gemeinsam gegen den US-Kriegsgang im Irak opponiert.
Der in der US-Bevölkerung äußerst beliebte Powell hatte zwei Wochen nach der Wiederwahl von Präsident George W. Bush im November seinen Rücktritt angekündigt. Ihm wird ein äußerst distanziertes Verhältnis zu Bush nachgesagt. Nach Insiderberichten hatte Powell den Präsidenten vor dem Einmarsch im Irak gewarnt. Mit den Hardlinern in der Bush-Regierung lieferte sich Powell immer wieder harte Auseinandersetzungen. Die bisherige Sicherheitsberaterin Rice ist dagegen eine enge Vertraute des Präsidenten. In ihrer Anhörung durch den Senat nannte sie als einen ihrer Schwerpunkte, die durch den Irak-Streit schwer beschädigten Beziehungen zu traditionellen Verbündeten und internationalen Institutionen ins Lot zu bringen. (apa)
