Dienstag, 18. Jänner 2005

Rice vor Amtsantritt als US-Außenministerin:
"Zeit der Diplomatie ist jetzt gekommen"

  • Zusammenarbeit mit multilateralen Institutionen betont
  • Sechs Staaten als "Vorposten der Tyrannei" gebrandmarkt

Die designierte US-Außenministerin Condoleezza Rice hat sich zur Zusammenarbeit mit den multilateralen Institutionen und den traditionellen Verbündeten der Vereinigten Staaten bekannt. "Die Zeit für Diplomatie ist jetzt gekommen", betonte Rice am Dienstag vor ihrer Anhörung durch den Senat in Washington.

Gleichzeitig brandmarkte sie die sechs Staaten Burma, Kuba, Iran, Nordkorea, Simbabwe und Weißrussland als "Vorposten der Tyrannei" in der Welt. Die USA solidarisierten sich mit den unterdrückten Menschen in diesen Ländern. "Wir können nicht ruhen, bis jede Person, die in einer Gesellschaft der Furcht lebt, schließlich ihre Freiheit gewonnen hat."

Rice nannte den Kampf gegen den Terrorismus als ein vorrangiges Feld, auf dem sie mit den anderen demokratischen Staaten zusammenarbeiten wolle. Die USA könnten diesen Kampf nicht allein gewinnen. Mit Allianzen könnten hingegen jene Länder, "welche die Freiheit lieben", ihre Kräfte vervielfachen.

Flutwellen-Katastrophe "wundervolle Gelegenheit" für USA
Die designierte US-Außenministerin Condoleezza Rice hat die Flutwellen-Katastrophe in Asien als "wundervolle Gelegenheit" für die USA bezeichnet und sich damit harsche Kritik aus dem Senat eingehandelt. Die Katastrophe sei eine "wundervolle Gelegenheit" für die Vereinigten Staaten, mittels Hilfsanstrengungen ihre mitfühlende Seite zu zeigen, sagte Rice am Dienstag in Washington während ihrer Befragung durch das Oberhaus in Washington. Bereits jetzt ernteten die USA mit der humanitären Hilfe "große Dividenden" für die Diplomatie.

Die Senatorin Barbara Boxer von den oppositionellen Demokraten warf der designierten Chefdiplomatin daraufhin mangelnde Sensibilität vor. "Ich bin sehr enttäuscht von Ihrem Statement", sagte die Senatorin aus Kalifornien. Der Tsunami sei "eine der schlimmsten Tragödien zu unserer Lebenszeit".

Die bisherige Nationale Sicherheitsberaterin sollte sich in der auf zwei Tage angesetzten Anhörung den Fragen der Senatoren stellen, die ihre Nomininierung bewilligen müssen. Allgemein wurde in Washington erwartet, dass die Ernennung von Rice im Senat auf keine Schwierigkeiten stößt.(apa/red)

18.1.2005 20:30