Nach Flut-Tragödie: Staatengemeinschaft will bei Tsunami-Warnsystem kooperieren!
- Schutzsystem soll in Grundzügen bis 2006 bereit stehen
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Die internationale Gemeinschaft hat im japanischen Kobe erste Schritte zur Schaffung eines Tsunami-Frühwarnsystems für den Indischen Ozean eingeleitet. Die Delegierten der Weltkonferenz zur Katastrophenvorsorge einigten sich am Donnerstag darauf, dass die Vereinten Nationen (UN) die Planung koordinieren. Das Schutzsystem soll in den Grundzügen bis Mitte 2006 bereit stehen.
Trotzdem blieb weiter unklar, wie der Aufbau angegangen wird. In einer geplanten Abschlusserklärung würden keine konkreten Maßnahmen für das System aufgeführt, sagte Salvano Briceno, Direktor der UN-Organisation für Katastrophenvorsorge ISDR.
Neben Japan, den USA und Australien hat auch Deutschland nach der Riesenwelle vom 26. Dezember ein Modell für ein Tsunami-Warnsystem angeboten. Berlin zeigte sich außerdem bereit, sich an der Finanzierung zu beteiligen. Letztlich aber müssten die Anrainerstaaten des Indischen Ozeans entscheiden, welche Angebote sie für richtig halten, sagte der Leiter der deutschen Delegation, Hans-Joachim Daerr, der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Donnerstag in Kobe. Er warnte vor nationalen Alleingängen. Indien hatte angedeutet, dass es sich in der Lage sieht, ein mit eigenen Mitteln geschaffenes Warnsystem aufzubauen. "Ich halte das für sehr wenig sinnvoll", sagte Daerr.
Die Delegierten betonten bei einer Sondersitzung zur Tsunami-Katastrophe, bei der über 220.000 Menschen starben, die Wichtigkeit weiterer multilateraler Beratungen. Ob die UN am Ende wirklich eine führende Rolle übernehmen, sei noch nicht ganz überschaubar, sagte Daerr. Durch die UN würden aber eine Beteiligung aller und eine neutrale Autorität am besten gesichert. Daerr erwartet, dass es noch weitere Vorschläge für ein Warnsystem geben wird. Es sei aber kein "Schachern", sondern ein "edler Wettbewerb" zwischen Ländern.
Das Rote Kreuz warnte unterdessen vor einem Scheitern der Kobe- Konferenz. Sie müsse klare Ziele vorgeben, damit bis 2015 deutlich weniger Menschen als bisher unter den Folgen von Naturkatastrophen leiden, forderte die Internationale Föderation von Rotem Kreuz und Roter Halbmond. In einem Entwurf für die Abschlusserklärung seien aber bisher keinerlei Verpflichtungen enthalten. Noch gebe es Zeit, aber es bestehe die reale Gefahr, "dass alles, was wir kriegen, Rhetorik ist", hieß es.
Das Rote Kreuz zeigte sich zudem darüber besorgt, dass die Diskussionen über den Klimawandel "durch politische Debatten" verzögert werden. Aus Konferenzkreisen war zuvor verlautet, die USA wollten verhindern, dass im Abschlussdokument auf den Klimawandel im Zusammenhang mit der Katastrophenvorsorge hingewiesen wird.
In Deutschland betonte der Chef des Geoforschungszentrums Potsdam (GFZ), die deutsche Forschung habe die Kompetenz, um ein Tsunami-Frühwarnsystem im Indischen Ozean aufzubauen. "Wir haben in Deutschland dafür eine ganz breite Unterstützung", sagte GFZ-Vorstand Rolf Emmermann der dpa. Er reagierte damit auf Medienberichte, wonach den Wissenschaftern die Kompetenz unter anderem bei der Computersimulation fehle.
"Unser Ansatz enthält mehrere neue Komponenten, die es möglich machen, Tsunamis sehr frühzeitig aufzuspüren", erläuterte der GFZ- Chef. "Die Computermodellierung von Tsunamis, die die Amerikaner für den Pazifik perfekt entwickelt haben, spielt in unserem Modell eine nachrangige Rolle", erklärte er. "Wir wollen vielmehr Erdbeben und Tsunami in Echtzeit abbilden. Für den viel schwerer zu überschauenden Pazifik sind solche Computersimulationen sehr wichtig. In unserem Ansatz für den Indischen Ozean haben sie nicht eine solch zentrale Rolle." (apa)
