Freitag, 21. Jänner 2005

Streit um Intendanz auf der Wörthersee-
bühne: Zanella dementiert Verzicht!

  • Designierter Intendant: "Ich höre das zum ersten Mal"
  • Geschlossener Vertrag laut LH Jörg Haider hinfällig

Verwirrung herrschte am Donnerstag über die Zukunft von Renato Zanella als Intendant der Wörtherseebühne. Während der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (F) ankündigte, Zanella werde die Intendanz nicht übernehmen, dementierte dieser und behauptete, dass Verhandlungen erst geführt werden müssten. Haiders Sprecher Stefan Petzner bekräftigte hingegen danach gegenüber der APA noch einmal, dass der wegen seiner hohen Dotierung ins Kreuzfeuer der Kritik geratene Vertrag mit Zanella "in dieser Form nicht kommt".

Die Idee, Wörthersee-Festspiele mit Einbeziehung von Spielstätten in der Klagenfurter Innenstadt ins Leben zu rufen, erklärte Haider am Donnerstag für "gestorben". Die Bühne werde künftig von einer reinen Seebühnen-Gesellschaft betrieben werden, das gesamte Projekt solle neu strukturiert werden. Deshalb werde der Intendanz-Vertrag mit Zanella, der ab 1. September Gültigkeit erlangen sollte, keine Minute wirksam werden. "Weil es keine Festspiele geben wird, ist der Intendanten-Vertrag in der abgeschlossenen Form hinfällig", präzisierte sein Pressesprecher.

Laut Petzner wird Zanella den laufenden Vertrag als Konsulent der Wörtherseebühne - er ist bis Ende August dieses Jahres gültig und mit einer Honorarsumme von 90.000 Euro plus Nebenkosten dotiert - aber erfüllen. Heute soll über die weitere Vorgangsweise bei einem Gespräch zwischen Zanella und Finanzreferent LHStv. Karl Pfeifenberger (F) verhandelt werden. Auch dieser Termin wurde vom Büro Haiders bestätigt, er soll am Nachmittag stattfinden.

Zanella wies gegenüber der APA darauf hin, dass er einen gültigen Vertrag besitze, wonach er ab dem 1. September die Intendanz der Bühne übernehmen werde. Allerdings müsse man erst abwarten, welche Konsequenzen die angekündigte Liquidierung der Betreibergesellschaft auf die Wirksamkeit seines Vertrages haben werde. Gespräche habe es diesbezüglich noch keine gegeben, sagte Zanella.

Kritik von Haider musste der ehemalige Geschäftsführer der Betreibergesellschaft der Seebühne, Bernhard Sapetschnig, einstecken. Er sei "überfordert" gewesen und trage auch die Verantwortung dafür, dass das für diesen Sommer geplante Musical "Napoleon" nicht realisiert werden konnte. Haider: "Er hat sich nicht entscheiden können, grünes Licht dafür zu geben."

Die Bilanz der Wirtschaftsprüfer über die Saison 2004 soll kommende Woche fertig gestellt und dem Aufsichtsrat vorgelegt werden, sagte Haider. Zu klären sei noch die Frage offener Belege im Rahmen der Kassaführung. Es habe kein handschriftliches Kassabuch gegeben, aber eine Wechseldatei beziehungsweise eine EDV-mäßige Kassaführung. Hier herrsche noch Aufklärungsbedarf.

Geprüft werde laut Haider auch die widmungsgemäße Verwendung der Bundesförderung in Höhe von 1,6 Millionen Euro. Der gesamte für fünf Jahre gedachte Betrag sei für das Jahr 2004 verwendet worden. Wenn dies auch bilanzmäßig möglich sei, würde sich der Abgang auf 500.000 bis 600.000 Euro verringern. (apa/red)

21.1.2005 07:36