Montag, 10. Jänner 2005

Abschaffung 1996: ÖBB sollen wieder österreichweiten Taktfahrfahrplan erhalten

  • 100 Mio. Cash-Flow wird im ersten Quartal erwartet
  • PLUS: Die ÖBB lässt mit billigen Preisen aufhorchen

Die ÖBB sollen wieder einen österreichweiten Taktfahrfahrplan bekommen. 1996 wegen zu hoher Kosten abgeschafft solle der "durchgehende österreichische Takt" in den nächsten Jahren wieder schrittweise eingeführt werden, erklärte der Vorstand der per 1.1.2005 gegründeten ÖBB-Personenverkehrs AG, Stefan Wehinger.

Der Plan ist ein Takt für sehr schnelle Züge, ein Takt für Züge, die häufiger halten, aber noch immer schnell unterwegs sind und darunter ein getakteter Nahverkehr, der als Zubringer auf den Fernverkehr abgestimmt ist. In Vorarlberg etwa funktioniere dieses System bereits. Ziel müsse es aber sein, das System wieder auf ganz Österreich auszudehnen, so Wehinger.

Statt Dividende neue Wagen
Zunächst will der neue Vorstand jedoch vor allem den Fuhrpark erneuern. Im ersten Jahr peilt die Personenverkehrs AG rund 100 Mio. Euro Cash-Flow an. Diese Mittel sollen nach Vorstellung des Vorstands nicht als Dividende ausgeschüttet, sondern zur Gänze in neues Wagenmaterial investiert werden.

Dieses Investitionsprogramm betrifft zunächst vor allem im Nahverkehr. Pro Monat bekommen die ÖBB derzeit 20 neue Schnellbahngarnituren. Insgesamt wurden 111 Garnituren bestellt. In Salzburg und Wien, wo die neuen so genannten Talent-Züge schon im Einsatz seien, habe man in den ersten Wochen bis zu 20 Prozent mehr Fahrgäste verzeichnet, berichtete Wehinger.

Bis spätestens 2010 wollen die ÖBB auch für den Fernverkehr neue Züge anschaffen. Die Prüfung verschiedener Modelle sei bereits im Laufen. Die Anschaffung von ICE-Garnituren, wie sie die Deutsche Bahn im Einsatz hat, schließt Wehinger nicht aus.

In Deutschland verkehrt der ICE mit über 300 km/h. In Österreich würde er, weil das Streckennetz nicht für höhere Geschwindigkeiten ausgerichtet ist, nur mit etwa 200 km/h unterwegs sein. Das sei aber ausreichend, betonte Wehinger, weil ein Drittel mehr Geschwindigkeit die Fahrzeit ohnehin nicht linear um ein Drittel verkürzen würde.

Schon mit bestehenden Mitteln soll ab Mitte Juni, wie angekündigt, zumindest ein Zug pro Tag zwischen Wien und Salzburg in einer Fahrzeit von zweieinhalb Stunden verkehren. Spätestens in drei Jahren soll dann in den zentralen Zeiten im zwei Stundentakt ein solcher Express zwischen Wien und Salzburg geführt werden.

Hauptproblem dabei ist derzeit noch immer der Kapazitätsengpass zwischen Wien und St.Pölten. Die Strecke wird gerade ausgebaut. Sorgen macht dem ÖBB-Personenverkehrsvorstand aber auch noch der Teilabschnitt Salzburg-Seekirchen, deren Ausbau zuletzt nach hinten verschoben werden sollte.

Drittes oder viertes Gleis zwischen Wien und Wiener Neustadt notwendig
Dringen notwendig - "am besten schon gestern" - wäre laut Wehinger auch ein drittes, wenn nicht sogar ein viertes Gleis zwischen Wien und Wiener Neustadt, meint Wehinger. Mit 408 Personenzügen pro Tag sei auf der Strecke die Kapazitätsgrenze erreicht.

In den bisherigen Ausbauplänen ist diese Strecke nicht berücksichtigt worden. Im kommenden Monat will die Personenverkehrs AG der ÖBB Holding aber nun eine Prioritätenliste übergeben. "Schließlich zahlen wir ja auch ein Schienenbenützungsentgelt an die Infrastruktur", betonte Wehinger: "Wir würden aber gerne das Doppelte zahlen, wenn alle unsere Infrastrukturwünsche erfüllt werden". (apa)

10.1.2005 14:40