Filmreif: NASA-Sonde zu spektakulärer Jagd auf den Kometen Tempel 1 unterwegs!
- Geschoss "Impactor" wird in 6 Monaten scharf gemacht
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Weltweit konnte kupferrote Scheibe bestaunt werden
Nach einem mustergültigen Start vom US-Weltraumstützpunkt Cape Canaveral ist die NASA-Sonde "Deep Impact" auf dem Weg zu ihrer Zielscheibe, dem Kometen Tempel 1. Planmäßig hob die Sonde mit ihrem Geschoss "Impactor" am Mittwoch 19.47 Uhr MEZ mit einer Delta-II-Trägerrakete zu der völlig neuartigen Mission ab.
In 170 Tagen soll sie 132 Millionen Kilometer von der Erde entfernt den sechs Kilometer langen Schweifstern Tempel 1 ins Visier nehmen und ihm eine schwere Wunde zufügen: Pünktlich zum Unabhängigkeitstag der USA am 4. Juli wird der "Impactor" in den Kometen einen Krater von der Größe eines Fußballstadions reißen.
Die Mission "Deep Impact" ist vom gleichnamigen Hollywood-Streifen von 1998 inspiriert, in dem ein Komet von der Größe New Yorks auf die Erde zurast. Die Erdbewohner setzen in dem Film alles daran, der Tod bringenden Gefahr zu entgehen. In der Umkehrung ist die Attacke auf Tempel 1 der erste Versuch, einen Himmelskörper zu beschießen. "Die Umlaufbahn wird dadurch nicht spürbar verändert", betonte der US-Astronom Don Yeomans. "Der Komet bringt für die Erde keine Gefahr."
Die Forscher versprechen sich von "Deep Impact" Erkenntnisse über die Entstehung unseres Sonnensystems sowie Rückschlüsse auf die mögliche Existenz von außerirdischem Leben. Am 3. Juli soll die Mission in die entscheidende Phase eintreten: In 132 Millionen Kilometer Entfernung von der Erde soll das 370-Kilo-Projektil sich von der Sonde lösen.
Die letzten 24 Stunden bis zur Kollision wird das Kupfer-Geschoss dann mit einer Geschwindigkeit von 37.000 Kilometern pro Stunde allein zurücklegen. Kameras und andere Messinstrumente an Bord von "Deep Impact" und dem "Impactor" sollen die Folgen des Einschlags analysieren. Die Weltraumteleskope Hubble, Chandra und Spitzer werden die Kollision genau beobachten, die auch von der Erde mit einfachen Fernrohren zu erkennen sein soll.
Die NASA vermutet, dass sich unter der Oberfläche von Tempel 1 Materie befindet, die dem Ursprungsstadium des Sonnensystems näher ist als etwa die chemischen Komponenten der Erde und anderer Planeten. Kometen sind Materie-Brocken, die sich bei der Entstehung des Sonnensystems vor rund fünf Milliarden Jahren zusammenballten. Sie bestehen aus Staub, Steinen, Eisen-Nickel-Verbindungen, Eis und gefrorenen Gasen.
Ein Umlauf von Tempel 1 durch das Sonnensystem dauert rund fünf Jahre und sechs Monate. Der Komet ist nach Ernst Wilhelm Leberecht Tempel benannt, der zu den bedeutendsten Astronomen Deutschlands zählte und diesen Schweifstern 1867 entdeckte. Bei erfolgreichem Verlauf überholt die NASA-Mission "Deep Impact" ein Projekt der europäischen Raumagentur ESA, das im März vergangenen Jahres gestartet wurde: Die ESA-Sonde Rosetta soll im November 2014 den Landeroboter Philae auf dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko aussetzen. Philae soll allerdings im Gegensatz zu "Deep Impact" keine spektakuläre Explosion auslösen, sondern sanft auf dem Kometen landen. (apa/red)
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