Mittwoch, 12. Jänner 2005

Absagen? Krawall um den Ball

Absagen? Gusenbauers überraschende Offensive stößt auf allgemeines Unverständnis.
Rauchverbot: Wie Ioan Holenders Rauchverbot von den Ballbessuchern umgangen wird.

Der Vorstoß kam spät und stand sogleich im Verdacht, eine der beliebten Pointen des ebensolchen SP-Chefs zu sein. Man möge den Opernball absagen, forderte Alfred Gusenbauer zwei Wochen nach der Flutkatastrophe, angesichts derer es „kein gutes Signal wäre, wenn wir Österreicher ein Zeichen der Leichtigkeit setzen“. Vielmehr möge man die Gäste, die ihre Logen schon im vergangenen Mai bezahlt hatten, auffordern, das Geld zu spenden statt zurückzuverlangen. Schon 1991 hatte der Ministerrat unter Franz Vranitzky angesichts der Feuergarben des Golfkriegs das Staatsgewalze storniert. Doch damals ging es auch um unausgesprochene Terror-Angst.

Jetzt begibt sich Staatsoperndirektor Ioan Holender via NEWS in die Offensive: „Es ist indiskutabel, zu verlangen, dass man Gelder, die Privatpersonen für eine bestimmte Dienstleistung bezahlt haben, zweckfremd verwenden soll. Ich bin doch nicht der liebe Gott, dass ich Menschen vorschreibe, was sie mit ihrem Geld zu machen haben! Wenn jemand spenden will, wird er spenden. Alles andere halte ich für eine Art Populismus, die im Umgang mit dieser Katastrophe nicht angebracht ist.“

Holender hat dem Vorschlag anderes entgegenzusetzen: Selbstverständlich habe er mit Ballorganisatorin Elisabeth Gürtler „schon vor Gusenbauers Vorstoß“ über einen angemessenen humanitären Beitrag nachgedacht. Allerdings nicht wie vor vier Jahren, als man eine Million Schilling für gute Zwecke spendete. Ballchefin Gürtler: „Damals wurde unsere Spende vom Aufsichtsrat gar nicht goutiert, da ein Betrieb, der selbst Subventionen erhält, kein Geld zu verschenken hat.“

Nun ließ Holender sich etwas anderes einfallen: „Ich habe dem Aufsichtsrat vorgeschlagen, meine eigene Loge im Wert von 16.000 Euro zu versteigern. Da können wir hoffentlich ein Mehrfaches für die Opfer überweisen.“

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12.1.2005 17:04