Ex-ÖBB-Chef Vorm Walde von Regierung abgeschossen: "Hätte Vertrag gerne erfüllt"
- Ehemaliger Generaldirektor verlässt ÖBB unfreiwillig
- SPÖ: "Um 1,2 Mio. Euro Spazierengehen geschickt"
·"Jahresgehalt von 60 Eisenbahnern"
SP-Kritik an Manager-Rochaden bei der ÖBB
·ÖBB: Vorm Walde muss Hut nehmen
Postbus-Chefin Goldmann übernimmt Nahverkehr
Der Ex-ÖBB-Generaldirektor und nunmehrige ÖBB-Personenverkehrsvorstand Rüdiger vorm Walde (58) würde seinen bis Ende Juli 2006 laufenden Vertrag gerne erfüllen und weiterhin als Personenverkehrschef tätig bleiben. Wenn aber gewisse Dinge nicht mehr passen, müsse man "auseinander gehen", betonte vorm Walde am Freitag vor Journalisten am Rande des ÖHV-Hotelierkongresses in Galtür.
Diese Fragen seien am kommenden Dienstag, den 18. Jänner, in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung der ÖBB-Personenverkehr AG zu klären. Falls es tatsächlich einen "Schnitt" geben sollte, hinterlasse er jedenfalls ein "wohlbestelltes Haus".
"Job hat mir Spass gemacht"
"Mein Job hat mir Spass gemacht, ich möchte meinen Vertrag gerne erfüllen. Wenn man das aber nicht möchte, muss man drüber reden", sagte vorm Walde. Sollte es zu einer Ablöse kommen, müssten jedenfalls seine Vertragsbedingungen entsprechend erfüllt werden: "Ich habe einen Vertrag mit bestimmten Vertragsbestandteilen, diese sind entsprechend zu diskutieren und zu erfüllen". Die in Medienberichten genannte Summe in Höhe von 1,2 Mio. Euro für die Abfindung seines Vertrags inklusive Abfertigung wollte vorm Walde nicht kommentieren.
Über seine dreieinhalbjährige Tätigkeit in der ÖBB zieht vorm Walde eine positive Bilanz: "Ich sehe keine Flopps und eine grundsolide Arbeit". Aus seiner Sicht habe sich die ÖBB betriebswirtschaftlich gut entwickelt, der Marktanteil liege bei 8 Prozent, die unter seiner Leitung geschaffenen Werte in der ÖBB könnten sich sehen lassen, große Investitionsprogramme seien angeschoben, der Personalabbau sozialverträglich abgelaufen. Die Umstrukturierung sei allerdings "kein Spaziergang" gewesen. Die ÖBB könnten jedenfalls stolz sein auf ihre Mitarbeiter: "Die Eisenbahner sind hochqualifiziert".
Wechsel von Vorstand in Personenverkehrs AG selbst gewünscht
Auch seinen Wechsel vom ÖBB-Vorstand in die Personenverkehr AG sei von ihm selbst gewünscht und "ohne Druck oder Aufforderung" von außen geschehen, betonte der gebürtige Deutsche. Er sei Mitte 2004 selbst an den Aufsichtsratsvorsitzenden herangetreten und habe ihn davon in Kenntnis gesetzt, dass ihm ein Wechsel in die operative Gesellschaft "Spass machen" würde. Dies als "Degradierung" zu bezeichnen sei falsch, das sei eine "Legendenbildung", damit habe er in Österreich aber offensichtlich ein Tabu gebrochen.
Die Arbeit als Personenverkehrsvorstand sei "hochinteressant", es gebe einen "Strauss von Aufgaben". "Ich hätte gerne als Personenverkehrsvorstand gearbeitet, ich würde den Wechsel nicht planen wollen", betonte vorm Walde. Sollte es dennoch zu einer Ablöse kommen, gebe es aber "keine Enttäuschung", sondern nur "Professionalität".
Neuer Job in Österreich ist unwahrscheinlich
Wohin ihn seine berufliche Zukunft führen könnte, ließ vorm Walde offen. Ein neuer Job in Österreich scheint aber unwahrscheinlich: "Der Markt ist eher europäisch zu sehen als österreichisch". Er habe aber nichts Konkretes "in Vorbereitung oder in Diskussion". Ausserdem sei angesichts seines fortgeschrittenen Alters "jede berufliche Karriere irgendwann zu Ende", er habe immer ein Pensionsalter von 60 Jahren angestrebt, es sei klar, dass er kein "Youngster und Sunnyboy" mehr sei. Wenn man seine bisherige Arbeitszeit zusammenzähle, habe er bereits so viel gearbeitet wie ein 80-Jähriger, meinte der als Workaholic geltende Manager. Er arbeite allerdings gerne. Eine künftige beratende Tätigkeit für die ÖBB könne er sich als "Urgestein des Nahverkehrs" vorstellen, "falls man meinen Rat haben will". Es gebe diesbezüglich aber keine konkreten Planungen.
Den Einfluss der Politik auf Verkehrsunternehmen wie die ÖBB hält vorm Walde indes für normal. Da Verkehrsunternehmen europaweit auf Geld vom Staat bzw. Steuergelder zur Finanzierung der teuren Infrastruktur angewiesen seien, gebe es eine "große Abhängigkeit Richtung Politik". Diese enge Bindung sei aber "systemabhängig und normal".
Über eine Ablöse von vorm Walde war bereits seit Ende des vorigen Jahres spekuliert worden. Für seine Nachfolge werden mehrere Kandidaten ins Treffen geführt. Bisher zuletzt galt Postbus-Chefin Wilhelmine Goldmann als fixe Nachfolgerin. Medienberichten zufolge soll die ÖVP nun allerdings den früheren Post-Vorstand Josef Halbmayr favorisieren, die FPÖ hingegen wolle den Telekom Austria-Manager Michael Gassauer ins Rennen schicken.
(apa)
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