Donnerstag, 20. Jänner 2005

David vs. Goliath: VA Tech-Kleinaktionäre versperren Siemens Weg zur Übernahme

  • Hauptversammlung: Stimmrechts-Beschränkung bleibt
  • Bessert Siemens das Übernahmeangebot doch nach?

Auf dem Weg zur Übernahme der börsenotierten VA Tech ist Siemens an einer wichtigen Hürde gescheitert: Die VA Tech-Aktionäre ließen den Elektromulti in einer außerordentlichen Hauptversammlung in Linz mit seinem Wunsch nach Aufhebung der 25-prozentigen Stimmrechtsbeschränkung abblitzen.

Das erschwert Siemens nun die angestrebte Übernahme und Kontrolle des börsenotierten Linzer Anlagenbauers, weil einem Aktionär nach der VA Tech-Satzung nur maximal 25 Prozent der Stimmrechte zugestanden werden - unabhängig von seinem tatsächlichen Anteilsbesitz. Siemens hat an sein laufendes Übernahmeangebot von 55 Euro pro Aktie unter anderem die - allerdings aufschiebbare - Bedingung geknüpft, das Höchststimmrecht müsse fallen.

Dreiviertel-Mehrheit knapp verfehlt
Dafür hätte der deutsche Großkonzern, seit November mit 16,45 Prozent bereits größter VA Tech-Aktionär, aber eine Dreiviertel-Mehrheit gebraucht. Diese hat Siemens in der heutigen HV mit 73,2 Prozent der Stimmen, die für die Abschaffung der als Sperr-Riegel gegen eine feindliche Übernahme gedachten Sonderklausel votierten, knapp verfehlt. Rund 56 Prozent der insgesamt mehr als 15,3 Millionen ausgegebenen VA Tech-Stammaktien waren für die Aktionärsversammlung hinterlegt worden.

Ausländische Großaktionäre mit im Spiel?
Das Zünglein an der Waage dürften wie erwartet die ausländischen Großaktionäre Goldman Sachs und Fidelity gewesen sein, die gerüchteweise inzwischen jeweils an die 10 Prozent an der VA Tech halten sollen. Beiden wird nachgesagt, angesichts des Börsenkurses, der aktuell mit 60,11 Euro um gut 9 Prozent über dem aktuellen Siemens-Angebot liegt, mehr Geld für ihre Anteile zu wollen. Die Staatsholding ÖIAG, die das Offert vergangenen Montag bereits angenommen hat und ihren 14,69 Prozent-Anteil für "mindestens" 55 Euro je Aktie verkauft, hat dem HV-Antrag auf Abschaffung des Höchstimmrechts zugestimmt.

Jetzt 50 Prozent plus eine Aktie nötig
Obwohl die Stimmrechtsbegrenzung bleibt, genügt es Siemens nach Rechtsauffassung der staatlichen Übernahmekommission mindestens 50 Prozent plus eine Aktie zu erwerben, um über die Mehrheit der Stimmrechte zu verfügen. Andernfalls gilt die Übernahme der VA Tech aber als gescheitert. Für Siemens, an dem Takover nach wie vor interessiert, hängt der Erfolg des Angebots nun vom Tenderverhalten der Aktionäre bis einschließlich 9. Februar ab.

Auf die Frage nach einer möglichen Nachbesserung, auf die der Markt nach wie vor spekuliert, hielt Siemens-Österreich-Vorstand Brigitte Ederer fest, man habe ein gültiges Angebot gelegt: "Unter diesen Bedingungen wollen wir die VA Tech übernehmen." Enttäuscht zeigte sich Eder darüber, dass Siemens in der HV als ein Unternehmen dargestellt worden sei, das "nichts anderes vorhat, als zu zerlegen und zu zerstören".

"Schallende Ohrfeige"
Als "schallende Ohrfeige" für Siemens sieht Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger das "Njet" der VA Tech-Aktionäre: "Siemens steht jetzt extrem unter Zugzwang." Entweder das Übernahmeangebot werde aufgestockt oder Siemens beginne, auf halbem Weg den Rückzug anzutreten. Im Kampf "David gegen Goliath", der eigentlich "Hedge-Fonds gegen Siemens" laute, hätten die Aktionäre das erste Match für sich entschieden. "Die Rechnung präsentiert wurde Siemens, der ÖIAG und allen, die sich für diese Vorgangsweise entschieden haben - vor allem die Politiker."

SPÖ-Wirtschaftssprecher Johann Moser sprach in einer Aussendung von einer "Ohrfeige der vielen Kleinaktionäre für die Organe der ÖIAG." Moser forderte Siemens auf, das Offert zurück zu ziehen. Der ÖIAG empfahl der sozialdemokratische Politker, sich besser hinter das Stand-Alone-Konzept der VA Tech zu stellen.

Die VA Tech ist Österreichs größter Technologiekonzern, das Unternehmen beschäftigt weltweit knapp 17.000 Mitarbeiter und macht rund 4 Mrd. Euro Umsatz.

(apa/red)

20.1.2005 12:04