Montag, 10. Jänner 2005

Blardone gewinnt den RTL-Klassiker in Adelboden: Halbzeit-Leader Defago out!

  • Raich als bester Österreicher auf dem vierten Platz
  • Wilder Sturz von Rahlves kurz vor dem Ziel - Unverletzt!

Mit dem Italiener Massimiliano Blardone gibt es im alpinen Skizirkus der Herren ein neues Siegergesicht. Der 25-Jährige setzte sich im spektakulären Weltcup-Riesentorlauf der Herren in Adelboden vor dem US-Amerikaner Bode Miller (+0,18 Sek.) und dem finnischen Vorjahrssieger Kalle Palander (0,39) durch. Als bester Österreicher landete Benjamin Raich an vierter Stelle, Christoph Gruber verbesserte sich dank Laufbestzeit von Platz 21 auf acht, Hermann Maier kam über Rang 18 nicht hinaus.

Während der Ausfall des Halbzeitführenden Schweizers Didier Defago, der dem Druck des Heimpublikums offenbar nicht gewachsen war, zum Schluss relativ unspektakulär vor sich ging, sorgte zuvor US-Boy Daron Rahlves für bange Momente. Der Dritte nach dem ersten Lauf kam bei einem fürchterlich aussehnenden Sturz am Zielhang, bei dem es ihn mit voller Wucht überschlug, aber mit dem Schrecken, blauen Flecken und Kopfschmerzen davon. Im ersten Durchgang hatte es dort schon Schifferer wild geschmissen.

Von diesen Ausfällen, aber auch zwei fehlerhaften Fahrten des gewohnt wilden Miller profitierte Blardone, der unmittelbar nach seinem Premierensieg nicht viele Worte fand, nur gerührt meinte. "Je schwerer, desto besser für mich. Es ist als ob ich Flügel hätte, ein Traum wurde wahr." Als beste Resultate hatte er bisher im Riesentorlauf drei zweite Plätze zu Buche stehen. Miller, Führender im Gesamt- und RTL-Weltcup, verlor im ersten Lauf einen Stock und legte auch im Finish des zweiten einen Stolperer, den er mit Spagat gerade noch abfing, ein. "Schade, da habe ich den Sieg hergeschenkt. Aber am Ende muss ich froh sein, denn heute habe ich viele Fehler gemacht."

Laufbestzeit von Gruber im zweiten Durchgang
Für den ÖSV war es ein äußerst durchwachsener Riesentorlauf, nur drei von zehn Läufer kamen in die Wertung. Raich war mit Rang vier zufrieden: "Im ersten Lauf hatte ich einen Nachteil vom Licht her, im zweiten hab ich mich dann eh noch verbessern können." Seine Laufbestzeit stimmt Gruber zuversichtlich: "Endlich habe ich einmal einen runtergebracht, aber wieder nur einen. Im ersten bin ich zu verhalten gefahren, habe zu wenig riskiert. Im zweiten habe ich gezeigt, dass ich nach wie vor zu den Besten gehöre."

Michael Walchhofer (31.), Stephan Görgl (33.) und Matthias Lanzinger (49.) hatten sich nicht für den zweiten Durchgang qualifiziert. Andreas Schifferer, Rainer Schönfelder, Mario Scheiber und Hannes Reiter waren im ersten Lauf ausgeschieden.

Vielversprechendes Comeback für Schifferer
Besonders bitter war der Ausfall für Schifferer, der bei seinem Comeback und nach dem Wechsel auf Fischer-Ski auf der Fahrt zu einer Bestzeit knapp vor dem Ziel ausschied. "Das Fahren macht wieder Spaß, es ist super gegangen, aber es zählen nur Ergebnisse." Ebenfalls sehr gut unterwegs war Schönfelder, der volles Risiko ging: "Ich war schnell und hab was riskiert, nicht so wie zuletzt in Chamonix, wo ich mich nicht getraut habe."

Der Flachauer Maier rutschte auf seinem Lieblingshang mit einem Patzer am Zielhang von Platz 13 auf 18 zurück und war schwer enttäuscht: "Es ist nicht gut gelaufen, es war ein sehr gerader Riesentorlauf, fast keine Kurve, zu viel hin und her gefahren. Normal müsste man da schon schneller sein". Der erste Sieg lässt auf sich warten: "Ich sehe das sehr locker und entspannt. Ich weiß, er kommt, es ist nur eine Frage der Zeit. Die Abstimmung habe ich gefunden, aber jetzt kam zuletzt halt Pech dazu."

Kampf um die WM-Tickets
Was die WM-Aufstellung betrifft, so drängen sich momentan nur Maier und Raich auf. Gruber darf sich aber berechtigte Hoffnungen machen. ÖSV-Herren-Cheftrainer Toni Giger gab zu, dass "meine Haare weniger werden. Die Situation hat sich nicht wirklich verbessert, wir hatten kein Spitzenergebnis." Er schließt auch nicht aus, dass es zu einer ÖSV-internen Riesentorlauf-Qualifikation kommen könnte. Kandidaten dafür? Gruber, Schifferer, Schönfelder und Görgl.

Endstand des Riesentorlaufs in Adelboden:
1.Massimiliano BlardoneITA2:19,84
2.Bode MillerUSA2:20,02+0,18
3.Kalle PalanderFIN2:20,23+0,39
4.Benjamin RaichAUT2:20,54+0,70
5.Lasse KjusNOR2:20,66+0,82
6.Fredrik NybergSWE2:20,72+0,88
7.Marc BerthodSUI2:20,98+1,14
8.Christoph GruberAUT2:21,03+1,19
9.Ales GorzaSLO2:21,26+1,42
10.Bruno KernenSUI2:21,33+1,49
.Joel ChenalFRA2:21,33+1,49
12.Thomas GrandiCAN2:21,38+1,54
13.Peter FillITA2:21,60+1,76
14.Davide SimoncelliITA2:21,71+1,87
15.Manfred MölggITA2:21,76+1,92
16.Marco BüchelLIE2:21,79+1,95
17.Dane SpencerUSA2:21,82+1,98
18.Hermann MaierAUT2:21,83+1,99
19.Aksel Lund SvindalNOR2:21,86+2,02
20.Truls Ove KarlsenNOR2:21,91+2,07
21.Kjetil JansrudNOR2:21,99+2,15
22.Bernard VajdicSLO2:22,21+2,37
23.Gauthier de TessieresFRA2:22,51+2,67
24.Mitja ValencicSLO2:22,57+2,73
25.Freddy RechFRA2:24,81+4,97
26.Niklas RainerSWE2:31,79+11,95

U.a. ausgeschieden im 1. Durchgang: Andreas Schifferer, Rainer Schönfelder, Mario Scheiber, Hannes Reiter (alle AUT), Kjetil-Andre Aamodt, Bjarne Solbakken (beide NOR), Tobias Grünenfelder (SUI), Vincent Millet (FRA)

Ausgeschieden im 2. Durchgang: Daron Rahlves (USA), Didier Defago (SUI), Andreas Nilsen (NOR)

Disqualifiziert: Arnold Rieder (ITA)

(apa/red)

10.1.2005 10:59