Nach Misshandlungen im Irak: Zehn Jahre Haft für US-Folter-Soldat Charles Graner!
- Keine Reue: "Es ist Krieg, da geschehen üble Sachen"
- Verurteilter will nur Befehle von oben befolgt haben
·Irak: Die grausamen
Folter-Bilder
Schrecklich: Häftlinge bis aufs Blut gequält!
·Irak-Folter wurde
"von oben" gebilligt!
Zeugen im Graner-Prozess
belasten auch Vorgesetzte
·USA definieren
Begriff "Folter" neu
Nach internationaler Kritik an enger Auslegung
Nach dem Folterskandal bei den US-Streitkräften im Irak hat ein Militärgericht in Texas den Soldaten Charles Graner zu zehn Jahren Haft verurteilt. Die zehn Geschworenen blieben damit am Samstag in Fort Hood (Texas) hinter dem Antrag der Ankläger zurück, die eine Höchststrafe von 15 Jahren gefordert hatten. Nach der Urteilsverkündung sagte Graner, er habe mit einer noch höheren Strafe gerechnet. Er bedaure nichts: "Es ist Krieg, und da geschehen üble Sachen".
In dem Prozess von viereinhalb Tagen Dauer wurde der 36-jährige Reservist der 372. Militärpolizeikompanie der schweren Körperverletzung, Verschwörung, Misshandlung von Gefangenen sowie der sexuellen Nötigung und anderer Straftaten schuldig gesprochen. Graner wurde degradiert und unehrenhaft aus der Armee entlassen. Er verlor alle finanziellen Ansprüche. Der Soldat, der sich bisher auf freiem Fuß befand, wurde sofort nach dem Urteilsspruch in Handschellen abgeführt.
Die Ankläger hatten Graner als Rädelsführer der Misshandlungen dargestellt. Der Militär-Staatsanwalt Hauptmann Chris Graveline betonte, dass es für die "sadistischen" Vergehen Graners keine Rechtfertigung geben könne. Graveline verwies zudem auf die überragende Bedeutung des Urteils "für den Angeklagten, ... für die Armee, ... für unser Land und ... für die ganze Welt".
Graner: "Habe nur Befehle befolgt"
Kurz vor der Urteilsverkündung hatte sich Graner erstmals selbst zu den Misshandlungen im Militärgefängnis Abu Ghraib bei Bagdad geäußert. Er hatte betont, dass er nur auf Anweisung von Offizieren und zivilen US-Beratern gehandelt habe. Zunächst habe er sich sogar den Befehlen widersetzt. "Wir haben manches falsch gemacht, wir haben manches Kriminelle gemacht", sagte Graner. Die US-Soldaten im Gefängnis seien laut Graner angewiesen worden, die Vorschriften der Genfer Konvention zu missachten und die Gefangenen zu "terrorisieren".
Er habe nur die Befehle der für die Verhöre zuständigen Geheimdienstmitarbeiter befolgt, erklärte Graner weiters. Geheimdienstoffiziere gaben in dem Prozess zu, dass sie die US-Wachsoldaten aufgefordert hätten, irakische Gefangene vor Verhören "weich zu klopfen" und "ihren Willen zu brechen". Graners Anwalt Guy Womack hatte die Misshandlungen verharmlost und erklärt, es sei nichts dabei, Gefangene auszuziehen, menschliche Pyramiden bilden zu lassen und wie Hunde an der Leine zu halten.
Mutter fordert Prozess gegen Vorgesetzte
Graners Mutter Irma sagte nach der Verkündung des Strafmaßes, den Vorgesetzten ihres Sohnes müsse der Prozess gemacht werden. Charles müsse lediglich den Kopf für deren Vergehen hinhalten. Irma Graner hatte das Gericht um Milde gebeten und darauf hingewiesen, dass ihr Sohn "kein Monster", sondern ein umgänglicher Mensch und fürsorglicher Vater sei.
Der Folterskandal begann im April des vergangenen Jahres mit der Veröffentlichung von Fotos der Misshandlungen. Der 36-jährige Graner war am häufigsten auf den Aufnahmen zu sehen, die weltweit Abscheu erregten und dem Ansehen der USA erheblich schadeten.
Skurrile Rechtfertigungen
Er habe es nicht genossen, betonte der ehemalige zivile Gefängniswärter und Ex-Militärpolizist. Auf den berüchtigten Fotos beispielsweise vor einer Pyramide nackter Gefangener habe er nur deshalb ein Grinsen im Gesicht, weil sonst das "bizarre" Geschehen nicht zu ertragen gewesen wäre.
(apa/red)
