Sharon bricht Kontakt zu Palästinensern ab: Kritik von US-Außenminister Powell
- Hofft auf Wiederaufnahme der Kontakte Israel-Palästina
- Kritik auch von UNO: Israel muss Abbas Chance geben
·Israel: Anschlag
auf Grenzübergang
Drei Palästinenser rissen sechs Israelis in den Tod
Nach der Entscheidung des israelischen Regierungschefs Ariel Sharon, alle Kontakte zum neu gewählten palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas auszusetzen, hat US-Außenminister Colin Powell die Hoffnung ausgedrückt, dass die Maßnahme nur vorübergehenden Charakter haben werde.
Zu dem blutigen Anschlag palästinensischer Extremisten auf den Karni-Grenzübergang zwischen Israel und dem Gaza-Streifen vom Freitag hat Powell in einem Interview mit dem Sender "Radio America" zugleich Abbas aufgefordert, entschlossen gegen die Gewalt vorzugehen. Abbas, der am heutigen Samstag in Ramallah vereidigt wird, wisse, "dass er die Terroristen unter Kontrolle bringen muss", sagte der US-Außenminister.
Stopp Reaktion auf Anschläge
Sharon hatte den Abbruch aller Kontakte verfügt, solange Abbas nichts gegen die Gewalt unternehme. Powell versprach in dem Interview die Hilfe der USA bei der Reform der palästinensischen Sicherheitskräfte, betonte aber gleichzeitig, dass dies nur mit Unterstützung der politischen Führung und der Bevölkerung möglich sei.
Der palästinensische Kabinettsminister Saeb Erekat hatte die Kritik Israels an Abbas als unfair bezeichnet, da dieser noch nicht einmal in sein Amt eingeführt worden sei. Der beste Weg zu einer Wiederbelebung des Friedensprozesses sei jetzt nicht die Aussetzung des Verhandlungen, sondern deren Erneuerung. "Wir appellieren an Israel, den Friedensprozess und Dialog wieder aufzunehmen, denn nur so lässt sich der Teufelskreis der Gewalt durchbrechen", zitierte die israelische Zeitung "Haaretz" Erekat.
UNO: Israel muss Abbas eine Chance geben
Der Hohe Repräsentant für die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union, Javier Solana, hat an Israel appelliert, dem neuen palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas (Abu Mazen), der am Samstag in Ramallah vereidigt wird, "trotz allen Schmerzes" eine Chance zu geben. In einem Gastbeitrag für die deutsche Boulevardzeitung "Bild am Sonntag" (BamS) schrieb Solana laut einer Vorausmeldung: "Der scheußliche Anschlag in Gaza (vom Donnerstag) zeigt, dass die Terroristen noch keine Ruhe geben wollen".
Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon hatte nach dem Anschlag palästinensischer Extremisten auf den Grenzübergang Karni angeordnet, alle Kontakte zu Abbas auszusetzen, bis dieser gegen die radikalen Gruppen vorgeht. Solana forderte in seinem Beitrag den neuen palästinensischen Präsidenten auf, gegen die Gewalt einzuschreiten.
(apa/red)
