Donnerstag, 13. Jänner 2005

Hamas erwägt offenbar Waffenstillstand: Abbas will Sicherheitszusagen erfüllen

  • Israel, USA warnen Moskau vor Raketenverkauf an Syrien
  • Wieder blutige Auseinandersetzungen im Gaza-Streifen

Trotz gegenteiliger Aussagen in den vergangenen Tagen erwägt die militante Palästinenser-Organisation Hamas offenbar einen Waffenstillstand mit Israel. Die Gruppe sei dabei, die Strategie der Gewalt zu überdenken, sagte der Hamas-Führer im Westjordanland, Scheich Hassan Yussef. Er fügte hinzu, seine Organisation erkenne die Existenz des israelischen Staates an. "Hamas will Israel nicht auslöschen. Hamas ist eine realistische politische Bewegung", sagte Yussef.

In den vergangenen Tagen hatten Hamas und Islamischer Dschihad Aufrufe der palästinensischen Führung zu einem Waffenstillstand zurückgewiesen. Zugleich signalisierten sie aber ihre Bereitschaft zu einer Beendigung der Gewalt, falls der neue palästinensische Präsident Mahmud Abbas ihnen Sicherheit vor israelischer Verfolgung garantieren könne.

Abbas bekräftigte seine Bereitschaft, die Auflagen des internationalen Friedensplans "Road Map" zu erfüllen. Allerdings müsse auch die israelische Seite ihren Teil tun. "Wie Sie wissen, beginnt dieser Plan mit Sicherheitszusagen und befasst sich schließlich mit den endgültigen Statusfragen, wie der Grenzziehung und Jerusalem. Wir sind bereit, unsere Verpflichtungen zu erfüllen. Wir hoffe, die israelische Seite wird dasselbe tun", sagte Abbas bei einem Treffen mit christlichen Geistlichen.

Zu Einzelheiten äußerte Abbas sich nicht. Eine Waffenstillstandserklärung der Hamas wäre für ihn aber ein großer Erfolg. Israelische Forderungen, gewaltsam gegen die militanten Gruppen vorzugehen, hat er stets zurückgewiesen.

Blutige Auseinandersetzungen im Gaza-Streifen
Im Gazastreifen erschossen israelische Soldaten einen Autofahrer, der sich mit hoher Geschwindigkeiten ihrem Straßenposten genähert hatte. Wie sich später herausstellte, hatte der Fahrer eine Frau im Wagen, die in den Wehen lag, und war auf dem Weg ins Krankenhaus.

Der Ehemann der Frau wurde von den Schüssen leicht verletzt. Die Frau trug ebenfalls leichte Verletzungen davon und brachte kurz nach dem blutigen Zwischenfall im Krankenhaus einen Buben zur Welt. Bei dem erschossenen Fahrer handelte es sich um einen Nachbar. Die israelische Armee erklärte, die Soldaten hätten das Feuer eröffnet, weil der Fahrer alle Befehle zum Anhalten missachtet habe und sie sich bedroht gefühlt hätten.

Israel und USA warnen Moskau
Israel und die USA haben unterdessen Russland vor einem Verkauf von Raketen an Syrien gewarnt. "Wir haben mit den Russen gesprochen und sie gebeten, diesen Vertrag zu wegzuwerfen", sagte Israels Außenminister Silvan Shalom am Donnerstag. Auch die US-Regierung warnte Russland am Mittwoch vor einem Waffenverkauf an Syrien und erwog Sanktionen.

Die russische Zeitung "Kommersant" hatte zuvor berichtet, Moskau wolle Raketen vom Typ Iskander-E an Damaskus liefern. Ein Kreml-naher russischer Abgeordneter wies den Bericht über den Waffenhandel zurück. Moskau bestätigte einen noch in diesem Monat geplanten Besuch des syrischen Präsidenten Baschar el Assad in Russland. (apa/red)

13.1.2005 20:22