Montag, 10. Jänner 2005

Nach der Flutkatastrophe: Der erste Schultag in Tiroler Gymnasium ohne David

  • Schulpsychologen helfen vor Ort in Hall bei Innsbruck
  • Eltern des Buben überlebten Unglück schwer verletzt

Der erste Arbeitstag nach dem Weihnachtsurlaub sollte wieder mehr Klarheit über österreichische Flutopfer bringen. Man konnte nun sehen welcher Arbeitsplatz leer bleibt. Doch auch bei den Kindern stellte sich traurige Gewissheit ein. Im Franziskanergymnasium in Hall bei Innsbruck hat am Montag für 31 Schüler einer ersten Klasse der erste Schultag ohne ihren Mitschüler David begonnen, der seit der Flutkatastrophe in Asien vermisst wird. Schulpsychologen versuchten, den Kindern über die schwierige Situation zu helfen, berichtete Direktor Gerhard Sailer. Das Unglück soll "auf Wissen reduziert" werden.

"Ein paar beutelt es ziemlich her", berichtete der Schuldirektor, "es gab auch Tränen." Für viele sei es ein Schock gewesen, dass einer der Sessel nach den Weihnachtsferien leer geblieben sei.

Den Beginn des ersten Schultages verbrachten die 31 Kinder der betroffenen Klasse damit, über ihren Wissensstand zu berichten. Eine Notfallpsychologin habe versucht, Gerüchte auszuräumen und das Geschehene auf Fakten zu reduzieren. Einige Mitschüler von David Baumgartner kennen den Buben bereits aus der Kindergarten- bzw. Volksschulzeit in Thaur, einem kleinen Dorf in der Nähe der Landeshauptstadt.

Als positiv bezeichnete der Direktor den Umstand, dass die Schulkameraden zu dem Zeitpunkt, als die Suchmeldung in den Medien gewesen sei, im dafür besten Umfeld gewesen seien, der eigenen Familie. An die Familien der betroffenen 31 Kinder richtet sich nun auch die Schulleitung. In einem Schreiben werden den Eltern wichtige Telefonnummern und Hilfe angeboten, sollte sich eines der Kinder in den nächsten Tagen "auffällig" verhalten.

Die Eltern des Buben waren bei dem Unglück schwer verletzt und Tage später nach Wien ausgeflogen worden. Die Familie hatte in Khao Lak nördlich von Phuket ihren Weihnachtsurlaub verbracht. Meldungen, wonach das Kind nach der Katastrophe noch gesehen worden sei, hatten sich nicht bestätigt. (apa)

10.1.2005 19:55