Ex-Eiskunstlauf-Star hinter Gittern: Wolfgang Schwarz sitzt wieder in U-Haft
- Vorwurf: Strafaufschub für Menschenhandel genützt
- Staatsanwaltschaft: "Offensichtlich unverbesserlich"
Nicht nur im Wiener Landesgericht löste die neuerliche Verhaftung des ehemaligen Eiskunstlauf-Olympiasiegers Wolfgang Schwarz (56) Kopfschütteln aus. Der frühere Spitzensportler, im Dezember 2002 wegen Menschenhandels bereits zu eineinhalb Jahren unbedingter Haft verurteilt, soll den ihm gewährten Strafaufschub dazu genützt haben, wiederum litauische Mädchen der Prostitution zuzuführen. Seit vergangenem Freitag sitzt Schwarz in U-Haft. "Er ist offensichtlich unverbesserlich", erklärte Ernst Kloyber, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Wien.
Der Olympiasieger war nach monatelangen kriminalistischen Ermittlungen in seiner Wiener Wohnung verhaftet worden. Er leistete dabei keinen Widerstand. Eine Vertrauensperson der Polizei hatte erstmals im Mai 2004 berichtet, Wolfgang Schwarz "handle wieder" mit Mädchen aus dem Baltikum. Im August wurden die Hinweise konkreter. Im Dezember waren die Indizien für die Staatsanwaltschaft ausreichend, um die Einleitung einer gerichtlichen Voruntersuchung und die Ausstellung eines Haftbefehls zu beantragen.
Schwarz und drei Mittäter sollen 15 Frauen "vermittelt" haben
"Offizieller Haftgrund ist Tatbegehungsgefahr. Schwarz soll seit März 2004 im grenzüberschreitenden Prostitutionshandel mit litauischen Frauen tätig gewesen sein", erläuterte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Das Verfahren wird nicht nur gegen den ehemaligen Eiskunstläufer, sondern auch gegen drei litauische Mittäter geführt.
An die 15 Frauen sollen mit deren Hilfe in österreichischen und italienischen Etablissements gelandet sein. Schwarz bestreitet das, wie sein Rechtsvertreter Herbert Eichenseder auf Anfrage der APA darlegte: "Er gibt nur zu, zwei Mädchen als Go Go-Tänzerinnen vermittelt zu haben."
Wegen Hautkrebs auf freien Fuß gelangt
Von seiner eineinhalbjährigen Freiheitsstrafe hatte Schwarz nur insgesamt sechs Wochen verbüßt. Danach wurde er auf freien Fuß gesetzt. Er leidet an Hautkrebs. Die Therapie hatte derart starke Nebenwirkungen, dass er zunächst als vollzugsuntauglich eingestuft wurde. Danach gewährte ihm die Justiz einen Strafaufschub. Schwarz gab vor, als Kaffeehaus-Besitzer eine neue Existenz aufbauen zu wollen. Er dürfte allerdings bald darauf auch an alte Kontakte ins Baltikum angeknüpft haben.
Untersuchungs-Haft auf 14 Tage begrenzt
In seinem ersten Prozess hatte man ihn schuldig erkannt, fünf Frauen aus Russland und Litauen nach Österreich gebracht und diese hier der Prostitution zugeführt zu haben. "Ich weiß nicht, was Menschenhandel ist", hatte er damals beteuert. Er habe den Mädchen "nur geholfen, wie ich einer Hausfrau, einer Putzfrau und einer Klavierspielerin helfen würde". Das Gericht sah das anders und sprach von "ausbeuterischem Verhalten", zumal Schwarz laut rechtskräftigem Urteil in einigen Fällen die ins Rotlicht-Milieu vermittelten Frauen kontrolliert und ihnen den Großteil ihrer Einnahmen abgenommen hat.
Die nun verhängte U-Haft ist vorerst auf 14 Tage begrenzt. Sein Anwalt dürfte jedoch nicht damit rechnen, dass Schwarz beim ersten Haftprüfungstermin frei kommt. "Den werden wir wohl übertauchen", meinte Eichenseder. (apa)
