Freitag, 14. Jänner 2005

Jubiläumsjahr 2005: Große Feierlichkeiten beginnen mit einem Blick in die Zukunft

  • Bundespräsident Fischer ruft zu Gemeinsamkeit auf
  • PLUS: Infos zum Jubiläumsjahr - was wir heuer feiern!

Mit einem Blick in die Zukunft hat die Spitze des Staates das Jubiläumsjahr 2005 offiziell eröffnet. Bundespräsident Heinz Fischer rief zu Gemeinsamkeit auf, "aus Respekt vor den großen Leistungen der Wiederaufbaugeneration, aber auch aus Respekt vor der Größe der vor uns liegenden Aufgaben". Bundespräsident, Regierung, Abgeordnete und Ehrengäste gedachten aber auch der Opfer der Tsunami-Katastrophe in Südost-Asien vor knapp drei Wochen - und dankten den Helfern und Spendern.

"Unsere Aufgabe ist es, aus der Vergangenheit zu lernen und daraus den Mut zur Zukunft zu schöpfen", so Fischer. Der Blick auf eine positive Vergangenheit dürfe nicht zu Bequemlichkeit führen: "Lassen wir uns nicht in Versuchung führen, die Erfolge der Vergangenheit als Garantieschein für eine bequeme Zukunft zu betrachten." Das zentrale Ereignis in der jüngeren Geschichte ist für das Staatsoberhaupt das Jahr 1945: "Vor 60 Jahren gab es den Triumph der rot-weiß-roten-Fahne über das Hakenkreuz, den Triumph der Demokratie über die Diktatur. Alles weitere, was wir an innen- und außenpolitischen Erfolgen in der Zweiten Republik erreichen konnten, wäre nicht möglich gewesen, ohne die im Jahr der Wiedergeburt unserer Republik gelegten Grundsteine."

"Die Waffen nieder" ist Programm für Österreich
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) betonte, Österreich sei nie eine "Insel der Seligen" gewesen, "denn alle politischen Beben dieses Kontinents haben auch uns erreicht". Und der Bundeskanzler verwies auf den anfangs oft verlachten Appell Bertha von Suttners, die vor genau 100 Jahren den Friedensnobelpreis bekommen hatte. "Die Waffen nieder" sei Programm für Österreich geworden: "Die Neutralität war niemals ein Produkt der Gleichgültigkeit sondern Auftrag und Friedensmission", verwies er auf die internationale Vermittlertätigkeit Österreichs. Nun müssten sich Sicherheit, Wohlstand und Freiheit in Europa neu bewähren. Vielleicht sei das dann eine Chance, auch die österreichische Geschichte neu zu verstehen.

Gorbach dankt der Nachkriegsgeneration
Vizekanzler Hubert Gorbach (F) dankte vor allem der Nachkriegsgeneration: "Über alle Lagergrenzen hinweg und unter massiven Entbehrungen hatten die Frauen, Männer, ehemaligen Soldaten und Kriegsgefangenen eine Vision und den Mut zum Neubeginn der Republik Österreich. Gemeinsam wurden die Trümmer des zerbombten Landes beseitigt." Zu Sicherheit und Wohlstand habe sicher auch der EU-Beitritt beigetragen - freilich gelte es dort den Mittelweg zu finden zwischen selbstbewusstem Auftreten und Unterordnung unter das Gemeinwohl.

"Unglaublicher Aufstieg"
Einen kritischen Blick versuchten die Oppositionschefs. SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer verwies auf den "unglaublichen Aufstieg" Österreichs nach 1945: Man dürfe aber nicht übersehen, "dass unser Haus Österreich auch Risse bekommen hat". Diese Defizite - 300.000 Menschen an der Armutsgrenze, Arbeitslosigkeit, Zukunftsängste - müssten gemeinsam bewältigt werden.

Grün-Bundessprecher Alexander Van der Bellen forderte einen "scharfen Blick auf die Vergangenheit. Einer ohne Häme, aber auch ohne Verklärung". Er erinnerte daran, dass an der NS-Herrschaft, die vor 60 Jahren zu Ende gebracht wurde, "leider auch Österreicher beteiligt waren". Nicht vergessen werden dürfe aber auch der "beschämende Umgang" des Landes mit den Emigranten. (apa/red)

14.1.2005 17:59