Freitag, 14. Jänner 2005

Bald Gesamtschule in Kärnten? Haider will Schülern "wieder Anstand lehren"

  • Gemeinsame Schule für 6- bis 16-Jährige soll kommen
  • Landeshauptmann will heuer Vorbereitungen treffen

Kärntens Landeshauptmann und Schulreferent Jörg Haider (F) präzisierte am Freitag die bereits im Dezember angekündigten Schritte zur Einführung einer Gesamtschule. Man wolle in diesem Jahr die Vorbereitungen dazu treffen, dass "spätestens im Schuljahr 2006/2007 ein Schulversuch für eine gemeinsame Schulform für Sechs- bis 15-Jährige starten kann". Außerdem solle den Schülern in Zukunft "wieder die klassischen Tugenden des Anstandes" beigebracht werden.

Haider will die Gesamtschule in Kärnten in drei Schritten erreichen. Zunächst solle die Schuleingangsphase reformiert werden, um den Kindern einen "bruchlosen Übergang zwischen dem Kindergarten und der Volksschule" zu ermöglichen. Hier sei vor allem die Sprachkompetenz der Kinder zu fördern. Kindergartenreferent Gerhard Dörfler (F) werde ein entsprechendes Modell entwerfen, kündigte Haider vor Journalisten an.

In der Volksschule sollten dann "primär Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen sowie die klassischen Tugenden des Anstandes vermittelt werden", führte der Schulreferent weiter aus. Als dritten Schritt wünscht sich Haider eine "Schnittstellenkonferenz mit Bildungsexperten, um die Bruchstellen zwischen den verschiedenen Schulformen zu überwinden, damit ein Modell für eine Gesamtschule möglich wird".

Die Gesamtschule soll nach Haiders Plänen bis zur neunten Schulstufe führen, wobei das neunte Schuljahr "vor allem der Berufsorientierung dienen muss". Außerdem solle diese Schulform ganztägig geführt werden, was "eine neue Regelung der Anwesenheitspflicht der Lehrkräfte" erfordere.

Der Landeshauptmann hofft jetzt, dass das Bildungsministerium einen Schulversuch genehmigt. Dazu müsse aber noch eine Kärntner Schule gefunden werden, die einen entsprechenden Antrag stelle, denn um Schulversuche könnten nur die Schulen selbst ansuchen.

Unterstützung von FPÖ und SPÖ
Unterstützung für die Idee eines Schulversuchs einer gemeinsamen Schule für die Sechs- bis 15-Jährigen in Kärnten kommt von FPÖ-Chefin und Jugendstaatssekretärin Ursula Haubner. Im Bildungsbereich müssten neue, innovative Wege gegangen werden, so Haubner in einer Aussendung. Das österreichische Schulsystem fuße zwar auf einer guten Tradition. Es dürfe aber "keinen Stillstand geben, weil sich Wissensvermittlung und Gesellschaft in einem stetigen Wandel befinden". Sie werde sich daher bei Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) für die Umsetzung des Projekts einsetzen, kündigte Haubner an.

Freude über die Initiative des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider (F) herrscht bei der SPÖ. Nachdem nun sogar die FPÖ erkannt habe, dass in der Bildungspolitik dringender Reformbedarf bestehe und international erprobte pädagogische Konzepte wie Ganztagsschule und Gesamtschule umgesetzt werden müssten, bleibe "die ÖVP als letzte Partei der Reformverweigerung übrig und steht mit ihren verzopften Ansichten von Schule allein auf weiter Flur", so Niederwieser in einer Aussendung. In der Unterstützung Haubners für den Haider-Vorschlag sieht er "ein Bröckeln der schwarz-blauen Koalitionstreue".
(apa)

14.1.2005 14:29