Donnerstag, 13. Jänner 2005

"Hat nur zum Schein gezittert": Vier Jahre Haft für Angestellte, die sich überfallen ließ

  • Coup auf Wiener Bäckerei beim Kaffeetrinken geplant
  • Fünfeinhalb bzw. fünf Jahre Haft für bestellte Räuber

Der Überfall auf eine Bäckerei in Wien-Margareten, bei dem zwei Männer am 22. Juli 2003 nach Geschäftsschluss 4.000 Euro erbeuteten, war nur auf den ersten Blick ein Routinefall. Die Angestellte Gorica M. (42), die mit einem Plastikkabel gefesselt wurde, wusste nämlich in Wahrheit ganz genau, was da ablief. "Sie hat nur zum Schein gezittert", brachte es Staatsanwalt Bernd Jungnikl am Donnerstag im Straflandesgericht auf den Punkt. Die Frau wurde wegen Anstiftung zum Raub rechtskräftig zu vier Jahren unbedingter Haft verurteilt.

Sie hatte den Überfall bestellt und den Räubern sogar die Hintertür geöffnet. Motiv war ihr Schuldenberg, den sie mit ihrem Lohn nicht abzutragen im Stande war. Also lud sie zwei jüngere Bekannte zum Kaffeetrinken ein und machte Benjamin S. (32) und Jovica M. (24) den von ihr geplanten Coup schmackhaft: "Kommt's doch zu uns! Bei uns liegt so viel Geld in der Kasse, das könnt's nehmen!"

"Wir haben alle drei kein Geld gehabt", erklärte der Ältere der beiden nun einem Schwurgericht (Vorsitz: Georg Olschak), weshalb er mitmachte. Jovica M. bewaffnete sich mit einer Gaspistole - der Umgang mit der Waffe dürfte dem ausgerechnet bei einem Wachdienst beschäftigten Mann nicht schwer gefallen sein. Er fasste dafür fünf Jahre Haft aus, während das Gericht über seinen Komplizen fünfeinhalb Jahre verhängte. Auch diese Urteile sind bereits rechtskräftig. (apa/red)

13.1.2005 14:06