Chefarztpflicht neu: Ärztekammer nach Gespräch mit Rauch-Kallat zufrieden
- Neuer Erstattungskodex und Formulare sollen helfen
- "Sanktionsfreies Quartal" könnte auch verlängert werden
·Chefarztpflicht neu:
Start brachte Chaos
Ärzte: Patienten warten drei
Stunden auf Genehmigung
"Außerordendlich zufrieden" äußerte sich der Präsident der Ärztekammer, Reiner Brettenthaler, über das heutige Gespräch mit Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (V) über die umstrittene Chefarztpflicht neu. "Es brauchen weder Ärzte noch Patienten befürchten, dass notwendige Therapien oder Medikamente nicht mehr verschrieben werden können", so Brettenthaler Dienstagabend gegenüber der APA.
Begrüßt wird von der Ärzteseite vor allem die Aufforderung der Ministerin an den Hauptverband, einen neuen, praktikablen Erstattungskodex für Medikamente auszuarbeiten. In der entsprechenden Arbeitsgruppe werden nach Angaben des Ärzte-Präsidenten auch die Ärzte- und die Apothekerkammer vertreten sein.
Laut Brettenthaler sei bei dem von Rauch-Kallat zugesagten "sanktionsfreien Quartal" auch eine Option vereinbart worden, diesen Zeitraum bis zur Fertigstellung des neuen Erstattungskodex zu verlängern.
Bei der Dokumentationspflicht der Ärzte bei Medikamentenverschreibungen soll es kein eigenes Formular geben, berichtete Brettenthaler weiters. Jeder Arzt könne seine bisher geübte Form der Dokumentation fortsetzen.
Und noch ein Detail: Therapien, die vor dem 1. Jänner 2005 begonnen wurden, können wie bisher weitergeführt werden, auch wenn sie nach dem neuen Erstattungskodex Einschränkungen unterliegen.
Hauptverband: "Nicht aus Mücke Elefanten machen"
Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger ruft zu mehr Gelassenheit im Umgang mit der seit 1. Jänner geltenden Neuregelung der Chefarztpflicht auf. "Man sollte nicht in jedem Einzelfall aus einer Mücke einen Elefanten machen und die Kirche im Dorf lassen", sagte der zuständige Geschäftsführer im Hauptverband, Josef Probst, am Dienstag im Gespräch mit der APA. Es gehe um maximal drei Medikamente pro Praxis und Tag.
Probst gestand zu, dass es Anlaufschwierigkeiten gebe. Diese seien aber mit gemeinsamem Willen aller Beteiligten zu lösen. Es sei die gemeinsame Aufgabe, die Patienten mit Medikamenten zu versorgen. "Wir bemühen uns redlich", betonte der Hauptverbands-Geschäftsführer, der ursprünglich auch für eine andere Lösung eingetreten war.
Der politische Auftrag sei aber, "Sicherheit zu verbreiten und nicht Unsicherheit". Deshalb werde man jetzt die Situation "kritisch betrachten" und Verbesserungen durchführen, wo solche notwendig seien. Dazu werde es morgen und auch nächste Woche Gespräche des Hauptverbandes mit der Ärztekammer geben. Und auch mit dem Ministerbüro sei man über Einzelfälle im Kontakt, um daraus Verbesserungen abzuleiten. (apa)
