Montag, 10. Jänner 2005

Nach Start von neuer Chefarztpflicht: Ärztekammer spricht von Katastrophe

  • Lange Wartezeiten: In den Ordinationen herrscht Chaos
  • Patienten müssen 3 Stunden auf Genehmigung warten

Die Ärzte laufen Sturm gegen die neue Chefarztpflicht. Der Wiener Ärztekammer-Präsident Dorner sprach von einer Katastrophe. Sogar er selbst habe sich den neuen Erstattungskodex für die Verschreibung von Medikamenten über Umwege besorgen müssen. Österreichs Kammerpräsident Brettenthaler will am Dienstag mit Gesundheitsministerin Rauch-Kallat sprechen. In den Ordinationen herrschen lange Wartezeiten.

Mit 1. Jänner traten in Österreich die von Gesundheitsministerium auf ASVG-Basis verordneten Neuregelungen bezüglich der Arzneimittelverschreibungen auf Kassenkosten in Kraft. Alle Medikamente wurden in eine neue Einteilung gebracht, chefärztliche Bewilligungen sollten von den niedergelassenen Ärzten per Fax eingereicht werden. Das neue System stand am Montag erst so richtig auf dem Prüfstand - und endete prompt im Chaos.

Eine Ärztin in Salzburg beklagte sich über die langen Wartezeiten für die Patienten. Diese müssten derzeit oft drei Stunden lang auf die Genehmigung eines Medikaments warten, "das ist nicht angenehm". Bei Kärntens niedergelassenen Ärzten und deren Patienten war sogar von einer "völlig idiotischen und unausgereiften Regelung" die Rede, Landeshauptmann Haider forderte die ersatzlose Streichung der Verordnung. Auch in der Steiermark ortete man "erhebliche Umstellungsschwierigkeiten".

Entspannung gab es in dieser Hinsicht in Wien. "Bei uns wird nicht gefaxt. Bei uns wird nachträglich kontrolliert", stellte Montag Nachmittag der Sprecher der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) gegenüber der APA klar. Positiv sah die Neuregelungen bei den auf Kassenkosten verschreibbaren Arzneimitteln einzig der Präsident der Österreichischen Apothekerkammer, Herbert Cabana, der allgemeines Bemühen attestierte.

Kammerpräsident Brettentahler sagte: "Die Grundidee der Reform ist sicher richtig, aber die Ausführung ist derart stümperhaft und praxisfern, dass die Kollegen maximal frustriert sind." Der Wiener Kammerchef Dorner richtete daher einen dringenden Appell an Rauch- Kallat: Die Beibehaltung des bisherigen Modus bis zur vollständigen, flächendeckenden Einführung der E-Card in Österreich. (apa)

10.1.2005 15:05