Überschattet von Flutkatastrophe: ÖVP startet offiziell in das politische Neujahr
- Ministerin Plassnik: "Umgang mit dem Unvorstellbaren"
- FPÖ-Mitglied Susanne Riess-Passer unter den Gästen
Mit einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion ist die ÖVP am Montag in Graz ins neue politische Jahr gestartet. Überschattet war die Veranstaltung von den Folgen der Tsunami- Katastrophe in Südost-Asien. Bundeskanzler ÖVP-Chef Schüssel räumte ein, dass man sich den Einstieg in das "Gedankenjahr" mit den zahlreichen Jubiläen anders vorgestellt habe. Am Beginn stand denn auch eine Gedenkminute.
Schon beim Eingang ins Kunsthaus in Graz wurden die Besucher der Veranstaltung gebeten, weiße Rosen an eine Gedenkwand zu stecken. Weiß sei in Asien die Farbe der Trauer, erinnerte Gastgeberin Landeshauptfrau Klasnic. Hier sei weiß die Farbe des Friedens, in der Steiermark mit den Landesfarben grün-weiß komme dazu noch die Hoffnung. Konkret betonte sie die Bedeutung der Schaffung einheitlicher Ansprechstellen für die Betroffenen. Diese wollten eine Kontaktstelle und nicht im Kreis geschickt werden.
"Für mich waren die vergangenen 14 Tage ein einziger Lernschub im praktischen Umgang mit dem Unvorstellbaren", so Außenministerin Plassnik. Das Außenministerium sei mit der Suche nach Vermissten und der Hilfe für Angehörige plötzlich vor einer ganz neuen Aufgabe gestanden: "Ob man für sie gerüstet sein kann oder nicht, steht mir nicht zu, jetzt zu beantworten. Es war zu handeln."
Schüssel zu Flutkatastrophe mit Bibel-Zitat
Für Schüssel hat die Tsunami-Katastrophe die "brennende Aktualität" eines Wortes aus dem Buch Kohelet gezeigt: "Alles ist nichtig, alles ist Staub, was sich der Mensch vornimmt, was er denkt, was er baut." Zum Einstieg ins "Gedankenjahr" meinte er, jedes Jubiläum sei ein Anlass zu reflektieren. Denn: "Nur wer das Rückwärts kennt, kann einen Weg für die Zukunft bestimmen".
Den thematischen Rahmen für die Podiumsdiskussion, unter anderem mit Ex-Vizekanzlerin und FPÖ-Mitglied Susanne Riess-Passer, gab der Soziologe Manfred Prisching vor. Er sprach von einer Polarität zwischen Euphorikern und Apokalyptikern. "Beide zeichnen aufregende Gemälde von der Zukunft", meinte er. Der Kanzler meinte dazu, im Sinne eines "nüchternen Professionalismus" solle hier die Synthese gefunden werden. (apa)
