Montag, 10. Jänner 2005

Über 600.000 angezeigte Delikte: 2004 mit leichtem Anstieg in der Kriminalitätsstatistik

  • Innenministerium: 0,06 Prozent mehr Straftaten als 2003
  • Rückgang bei Aufklärungsrate: Nur 38% der Fälle gelöst

Einen leichten Anstieg der Straftaten gab es in Österreich im Vorjahr. 2004 wurden 643.648 Delikte angezeigt, das sind um 362 oder 0,06 Prozent mehr als im Jahr 2003, berichtete das Innenministerium in einer Aussendung am Montag. Einen leichten Rückgang gab es bei der Aufklärungsrate. Kritik übte die SPÖ, die ein Sicherheitsdefizit ortet.

Die Zahl der Delikte sei "im Vergleich zu 1999, als die SPÖ noch die Verantwortung für das Innenressort hatte, um 30,5 Prozent (150.402 Fälle) im Jahr 2004 gestiegen", kritisierte SP-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos am Montag in einer Aussendung. Gleichzeitig sei die Aufklärungsquote im selben Zeitraum von 51,36 Prozent auf 38,1 Prozent gesunken.

643.648 Straftaten angezeigt, 245.389 Fälle gelöst
Laut Statistik wurden im Jahr 2004 insgesamt 643.648 Straftaten angezeigt und 245.389 Fälle gelöst. Das ist gegenüber dem Jahr davor ein Rückgang von 0,4 Prozentpunkten. Das höchste Minus bei den aufgeklärten Fällen verzeichnete Niederösterreich, wo die Quote im Vergleich zum Jahr davor um 4,1 Prozentpunkte sank. In Salzburg waren es 2,6 Prozentpunkte weniger als 2003. Ein Plus gab es im Burgenland (1,1 Prozentpunkte) und in der Steiermark (0,3 Prozentpunkte). Dass die Aufklärungsquote bundesweit um 0,4 Prozentpunkte gesunken ist, sieht man im Innenministerium nicht als Dilemma: "Plus 0,4 Prozent wären jedem lieber, aber es ist in der Schwankungsbreite", betonte der Sprecher des Bundeskriminalamtes, Gerald Hesztera.

Kriminalitätsrückgang in Wien
Erfreulich ist für das Innenministerium die Kriminalitätsentwicklung in Wien. Die Anzeigen haben sich dort um 5,5 Prozent bzw. 14.052 Delikte reduziert, ergab die Statistik. Ein Mitgrund für den starken Rückgang in der Bundeshauptstadt dürfte ein riesiger Fall von Urkundenfälschung im Jahr 2003 gewesen sein, bei dem auf einen Schlag rund 11.000 Delikte angezeigt wurden und die Statistik in der Bundeshauptstadt für das Jahr nach oben drückte. Für das Bundeskriminalamt stellt die Reduktion im Vorjahr - auch daran gemessen - einen "signifikanten Rückgang" dar, wie Hesztera festhielt.

Diebstähle und Co die häufigsten Straftaten
Die am häufigsten begangenen Delikte entfielen 2004 erneut auf die Gruppe "Strafbare Handlungen gegen fremdes Vermögen": Diebstähle und Co. wurden 466.397 Mal angezeigt - insgesamt gab es 643.648 Straftaten. Hier gab es im Vergleich zu 2003 einen leichten Rückgang von 0,1 Prozent.

Steigerung bei Eurofälschungen
Regelrecht explodiert sind Eurofälschungen und die Weitergabe von "Blüten": Hier wurde eine Steigerung von 190,4 Prozent verzeichnet. Anstiege in diesem Bereich seien auch international feststellbar, so das Innenministerium.

Prokop präsentiert Sicherheitsprogramm für 2005
Ressortchefin Liese Prokop (V) präsentierte ein Sicherheitsprogramm für 2005, das zehn Punkte umfasst. Unter anderem soll das Budget heuer auf 163 Millionen Euro aufgestockt werden. Auch die Zahl der Ausbildungsplätze will Prokop von 1.134 auf 1.755 erhöhen. Weiters soll eine weltweite DNA-Datenbank unter österreichischer Führung errichtet werden, kündigte sie an.
(apa)

10.1.2005 15:13