Montag, 10. Jänner 2005

Strenges Rauchverbot startete in Italien: Lokale befürchten Ausbleiben der Gäste

  • Erste Razzien und Strafen - auch Alkohol im Visier
  • PLUS: Umfrage zum Thema Rauchverbot in Restaurants

Italien war einmal das Land der unbegrenzten Freiheiten. Die innig geliebte Zigarette qualmte bisher ohne Rücksicht und Gewissensbisse zu jeder Tageszeit. Jetzt will die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi den Rauchern an den Kragen. Am Montag trat eines der europaweit strengsten Anti-Raucher-Gesetze in Kraft. Und damit nicht genug, wird jetzt auch dem Alkohol der Kampf angesagt.

Das Rauchen ist dann in allen der Öffentlichkeit zugänglichen Räumen verboten - unter anderem in Restaurants, Bars, Diskotheken und Büros. Ausnahmen gelten für abgetrennte Raucherräume.

Zahlreiche Restaurantbesitzer haben angekündigt, das Verbot zu ignorieren, denn nur fünf Prozent der Gaststätten und Bars verfügen über einen zweiten Raum. Bei Verstößen drohen den Inhabern allerdings Strafen bis zu 2.000 Euro, Gäste müssen bis zu 250 Euro zahlen. Einer Umfrage zufolge befürworten 83 Prozent der Italiener das Gesetz. Rund 14 Millionen der knapp 58 Millionen Italiener greifen regelmäßig zur Zigarette.

Wie das staatliche italienische Fernsehen berichtet, versuchten die Behörden bereits unmittelbar nach Mitternacht die strikte Einhaltung des umstrittenen Gesetzes durchzusetzen. Es habe Razzien und erste Geldstrafen gegeben.

Teilweise hätten Nikotin-Gegner widerspenstige Raucher angezeigt. In Mailand gab es Protestaktionen von Rauchervereinigungen.

Kein Alkoholausschank an Unter-16-Jährige
Nun will die Regierung Berlusconi auch den Alkoholkonsum Jugendlicher bekämpfen. Nach Angaben von Gesundheitsminister Girolamo Sirchia trinken 20 Prozent der Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren regelmäßig Alkohol. Der Konsum sei vor allem unter Mädchen stark steigend. In Discotheken und Lokalen sei der Verbrauch Besorgnis erregend, warnte der Ressortchef, der an die Familien appellierte, ihre Sprösslinge besser zu kontrollieren.

In den kommenden Monaten will Sirchia mit einer massiven Kampagne die jungen Leute für das Problem sensibilisieren. "Alkohol ist für die Jugendlichen zum alltäglichen Genuss geworden. Sie schwärmen für Spirituosen, mit denen sie sich betrinken. Oft ist dies der erste Schritt zur Drogenabhängigkeit", warnte der Minister.

"Zigarettenwerbung ist in Italien verboten. Wir können zwar Werbung für Spirituosen nicht verbieten, in den Spots soll man jedoch künftig offen mitteilen, dass Alkohol für Minderjährige schlecht ist", sagte Sirchia im Interview mit der Mailänder Tageszeitung "Il Giornale". Er kündigte massive Kontrollen in Lokalen an. Jugendlichen unter 16 Jahren dürfe kein Alkohol ausgeschenkt werden. Gastwirte, die sich nicht an diese Vorschrift halten, drohen harte Strafen und Lizenzentzug.

(apa/red)

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10.1.2005 15:25