Montag, 3. Jänner 2005

Slowenien fürchtet Ausverkauf von Wein- bergen: Steirische Winzer im Vormarsch

  • Grundstücksverkäufe haben dramatisch zugenommen
  • PLUS: Welche Bestimmungen bei einem Verkauf gelten

Im slowenischen Grenzgebiet zur Steiermark geht die Angst vor einem Ausverkauf von Weinbergen an Österreicher um. Die Österreicher bieten nämlich für die Grundstücke weit mehr, als sich die slowenischen Wein- und Obstbauern leisten können bzw. wollen. Der tatsächliche Verkehrswert wird durch die österreichischen Angebote deutlich überboten.

Wein- und Obstbauer Ivan Kren aus der Gemeinde Kungota sagte der Marburger Tageszeitung "Vecer", dass die Zahl von Grundstücksverkäufen an Österreicher im Grenzgebiet seit dem EU-Beitritt Sloweniens am 1. Mai dramatisch zugenommen habe.

Verkaufsbeschränkungen gefordert
Viele Bauern würden ihre Weinberge nämlich verkaufen, weil sei keine Nachfolger haben. Um den Ausverkauf zu unterbinden, forderte Kren die Regierung in Laibach auf, zumindest in einem fünf Kilometer breiten Grenzstreifen Verkaufsbeschränkungen zu verhängen. Bisher hätte die Regierung "das Problem nicht ernst genommen". Die Österreicher hätten nach dem EU-Beitritt sehr wohl Schutzmaßnahmen für die einheimischen Bauern ergriffen.

Strenge Bestimmungen
Nevenka Vujacic von der zuständigen Verwaltungsbehörde Pesnica sagte der Zeitung, dass seit 1. Mai im Grenzgebiet fünf Bauernhöfe und Grundstücke mit einer Gesamtfläche von 24 Hektar an Ausländer verkauft worden seien. Sie wies aber darauf hin, dass EU-Recht eine Diskriminierung von Österreichern im Grundverkehr verbiete. Außerdem genieße nach slowenischem Recht beim Verkauf von Agrargrundstücken ohnehin eine Reihe von Personen Vorkaufsrechte - der Mitbesitzer, der Nachbar, der Pächter, andere Bauern sowie Landwirtschaftliche Organisationen. Erst wenn niemand der Berechtigten seine Option ausübe, sei der Verkauf an Ausländer möglich, betonte Vujacic.

Steirische Winzer im Vormarsch
Kren weist darauf hin, dass große Weinbauern in der Steiermark ihre Güter durch den Zukauf von Weinbergen in den angrenzenden Gebieten Sloweniens bereits beträchtlich erweitert hätten. Zudem entwickle sich - wegen der Entdeckung von Thermalquellen unweit der Grenze - auch die Tourismusbranche in der südlichen Steiermark äußerst dynamisch, weswegen auch in diesem Bereich ein steigendes Interesse an Grundstückskäufen in Slowenien zu erwarten sei. Während es auf der slowenischen Seite der Grenze gerade einmal 30 Gästebetten gebe, seien es auf der anderen Seite schon 2.000.(apa/red)

3.1.2005 12:22