Samstag, 8. Jänner 2005

Vertreibung aus dem Paradies: WOMAN-Bericht über Überlebende der Horror-Flut

  • Eine Frau erzählt, wie sie die Katastrophe überlebte
  • Grenzenlose Hilfsbereitschaft im Katastophengebiet

Eine Frau erzählt über die Flut-Katastrophe im asiatischen Urlaubsparadies: Zeitweise sitzt sie einfach nur so da und starrt vor sich hin. "Ich will das für mich irgendwie begreifen können", sagt Helene Moc leise. Die 43-jährige Wienerin ist eine jener Urlauber, die heil aus dem Katastrophengebiet zurückkehrten. Erst nach der Rückkehr nach Österreich hat sie vom wahren Ausmaß der Flutkatastrophe erfahren.

"Eines", so die Inhaberin eines Wellness-Studios, "ist mir durch das Horror-Erlebnis klar geworden: was wir Menschen im Angesicht der Naturgewalten für kleine Würmchen sind." Helene Moc war mit Last-Minute auf die Malediven geflogen, um nach stressiger Zeit in paradiesischer Landschaft zur Besinnung zu kommen. Auf der Insel Tigofinolhu bezog sie ihren Bungalow und richtete sich auf eine Woche Glücklichsein ein ...

Das Unvorstellbare
Als die große Flut kam, saß Helene gerade zum dritten Mal beim Frühstück. Es war gegen neun Uhr, als sie auf einmal Wassermassen auf die Glasfenster des Frühstücksraums zurasen sah. "Einer schrie: Weg hier! Und wir sind nur mehr gelaufen." Als die Scheiben unter der Flut barsten, rannte sie schon mit anderen Gästen in Richtung eines kleinen Hügels. "Komm da rauf!", reichte ihr jemand eine rettende Hand. "An einer Palme haben wir uns festgeklammert und gegen den gewaltigen Sog des Wassers gestemmt." Doch der Pegel stieg, reichte schon bis zur Brust. "Ich dachte: Das war's!"

Die Rettung
Doch auf einmal ging das Wasser wieder zurück. Gemeinsam watete die Gruppe zurück zu den Bungalows. Wie durch ein Wunder war niemand der zirka 15 Menschen ernstlich verletzt. Doch wo einst ihre Betten und Koffer standen, schwammen nun Fische und vereinzelt Kleidungsstücke. "Wir starrten auf das Desaster, als grollend eine zweite Flutwelle kam", erinnert sich Helene. Sie war zum Glück kleiner, und wir konnten uns wieder retten. Die folgenden Stunden waren geprägt von Panik und Verzweiflung - "wir wussten nicht, was noch auf uns zukommt" -, aber auch von nie gekanntem Zusammenhalt völlig fremder Menschen. "Du brauchst eine Hose, da hast du meine. Hast du Hunger? Nimm mein Brot. Jeder versuchte dem anderen zu helfen", erzählt Helene. "Wir hatten keinen Strom, keine Telefone mehr , aber gemeinsam schafften wir die Nacht." Am nächsten Morgen war Helene eine der ersten Glücklichen, die eine Maschine nach Wien erwischten.

Besinnung auf das Wesentliche
Auch Helene Moc hat sich viel überlegt. "Wahrscheinlich ", sinniert sie, "sollen uns solche Katastrophen etwas sagen. Uns erinnern, was im Leben wirklich zählt. Denn wenn ein Unglück hereinbricht, rücken die Menschen automatisch näher zusammen. Helfen einander, egal ob arm oder reich." Das, so meint Helene, sollte eigentlich immer so sein. Ganz ohne Katastrophe.

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8.1.2005 15:41