Freitag, 7. Jänner 2005

Der Countdown läuft: NASA feierte einen Meilenstein vor der Rückkehr ins Weltall

  • Neuer Treibstofftank für Weltraumfähren ist in Florida
  • Probleme der "Columbia" wurden damit behoben

So viel Erleichterung und Feststimmung hat es bei der US-Weltraumbehörde NASA lange nicht gegeben: Astronauten, Wissenschafter und Ingenieure feierten am Weltraumbahnhof in Cape Canaveral die Ankunft des ersten, völlig neu konzipierten Treibstofftanks für Weltraumfähren.

Damit ist der wichtigste Meilenstein geschafft, damit die NASA wie geplant in diesem Frühjahr, gut zwei Jahre nach dem Absturz der Raumfähre "Columbia", wieder in den Weltraum starten kann.

Der rostfarbene Tank, 47 Meter lang und wie ein überdimensionaler, lang gezogener Ball geformt, ist imposant. Die Küstenbewohner von Louisiana bis Florida konnten das ungewöhnliche Konstrukt in den vergangenen Tagen bewundern: Ein Schiff brachte den bei New Orleans gebauten Tank bis zum Weltraumbahnhof nach Cape Canaveral in Florida. Dort wird er jetzt mit den Booster-Raketen an die Fähre "Discovery" montiert. Wenn alles gut geht, soll "Discovery" im Mai als erstes Shuttle seit dem Unglück ins All starten.

"Columbia"-Probleme behoben
"Das ist der verlässlichste Tank, den wir je gebaut haben", schwärmt NASA-Projektmanager Sandy Coleman. Die Probleme, die "Columbia" zum Absturz brachten, könnten damit nicht mehr passieren. Der neue Tank ist etwas schwerer als der alte und kostet mehr als 40 Millionen Dollar (30,2 Mio. Euro). Er fasst zwei Millionen Liter flüssigen Wasser- und Sauerstoff, mit dem die Haupttriebwerke versorgt werden.

Shuttle explodierte über Texas
Der Treibstofftank hatte nach den NASA-Ermittlungen beim Absturz der "Columbia" am 1. Februar 2003 eine entscheidende Rolle gespielt. Beim Start war von der Außenwand Isolierschaumstoff abgesprungen, wie später auf Videos zu sehen war. Die Stücke schlugen unter dem linken Tragflügel ein und zerstörten Hitzekacheln, die die Weltraumfähre beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre schützen sollen. Durch das Loch drangen heiße Gase ein und versengten Kabel. Die "Columbia" explodierte über Texas. Sieben Astronauten kamen ums Leben.

Shuttleprogramm am Prüfstand
In wochenlanger Detektivarbeit setzten NASA-Ingenieure Millionen von auch winzigsten Stücken der zerschellten Fähre zusammen, die auf einem hunderte Kilometer großen Areal in Texas gefunden worden waren. So wurde die Unglücksursache gefunden. Doch die Behörde stellte auch das ganze Shuttleprogramm auf den Prüfstand und deckte jede Menge Sicherheitsmängel auf. Heraus kam ein dicker Untersuchungsbericht mit Dutzenden Empfehlungen. Unter anderem wurde die "Discovery" völlig neu verkabelt und mit Sensoren und Außenkameras ausgestattet. Die größte Neuerung aber ist der Treibstofftank.

Bemannte Mission zum Mars?
Präsident George W. Bush machte klar, dass das "Columbia"-Unglück ehrgeizige Weltraumpläne der USA nicht stoppen würde. Er kündigte gar die Rückkehr der Amerikaner zum Mond an und stellte eine bemannte Mission zum Mars in Aussicht.

"Discovery" fliegt zur ISS
Mit der "Discovery" will die NASA zunächst allerdings ein näheres Ziel ansteuern: die Internationale Raumstation (ISS), die um die Erde kreist. Seit die Shuttles nicht mehr fliegen, bringen die Russen mit ihren beengten Raumschiffen nur noch zwei statt drei Langzeitbewohner ins All. Der Ausbau der Station liegt auf Eis. Reparaturarbeiten sind mit weniger Menschen an Bord schwieriger. Immer wieder fallen Systeme aus. Die beiden Bewohner mussten im Dezember sogar auf Diät gehen, weil ihre Nahrungsmittelvorräte knapp wurden. Ein Raumfrachter brachte Weihnachten schließlich den lang ersehnten Nachschub.

Ausbau geht weiter
Wenn die Shuttles wieder fliegen, soll der Ausbau der Station mit Hochdruck vorangetrieben werden. Auf den "Discovery"-Start bereiten sich sieben Astronauten unter dem Kommando von Eileen Collins vor. Sie sollen dringend benötigtes Material zur ISS bringen und planen schon drei Weltraumausstiege für nötige Außenreparaturen. (apa)

7.1.2005 12:16