Judentum: Das auserwählte Volk

Das Judentum: Die älteste monotheistische Religion greift mit ihrem Regelwerk tief in den Lebensalltag der Gläubigen ein.
Unauffällig steht der Achtzigjährige hinter der Theke, um hin und wieder in der Küche zu verschwinden. Als Maschgiach des Restaurants Alef Alef wacht Adolf Papa darüber, dass in Wiens ältestem koscheren Restaurant die strengen Regeln jüdischer Speisenzubereitung eingehalten werden: Koscher (rein) sind unter anderem alle Fleischsorten von Wiederkäuern mit gespaltenen Hufen sowie Meerestiere mit Schuppen und Flossen. Nicht koscher ist jedes andere Fleisch, Blut und der gleichzeitige Verzehr von Milch- und Fleischprodukten. In der Theorie klingt das einfach, in Wirklichkeit ist das eine kleine Wissenschaft, weiß Schalom Bernholtz, der neben dem Alef Alef einen koscheren Cateringservice betreibt. Es gibt Hunderte Farb-, Aroma- und Zusatzstoffe, von denen jeder einzelne überprüft werden muss. Ein Maschgiach braucht Jahre, um sich das notwendige Wissen anzueignen.
Glaubens- und Lebensregeln. Die komplizierten Speiseregeln verdeutlichen, wie tief die Religion in den Lebensalltag orthodoxer Juden eingreift. Es gibt 613 religiöse Gebote, erklärt Wiens Oberrabbiner Chaim Eisenberg im Gespräch mit NEWS. Dabei handelt es sich nicht nur um rituelle Vorschriften, wie viele meinen, sondern auch um Anweisungen für den Alltag und die zwischenmenschlichen Beziehungen. Am wichtigsten seien die Zehn Gebote, die der Ewige am Berg Sinai Moses gegeben hat. Eisenberg ist überzeugt davon, dass Juden und Christen mit Abraham nicht nur einen gemeinsamen religiösen Vorfahren haben, sondern auch zum selben Gott beten: Wenn es nur einen Gott gibt darin sind sich Juden und Christen ja einig , dann wird es wohl derselbe sein.
Wer ist Jude? Auf diese Frage gibt der Oberrabbiner eine einfache Antwort: Wer eine jüdische Mutter hat oder zum jüdischen Glauben konvertiert ist. Zum Unterschied vom Christentum betrieben Juden keine Mission nach außen. Aspiranten sollen durch praktische Teilnahme in die Lebensregeln der jüdischen Welt hineingewachsen sein. Sie müssen Hebräisch lernen, jüdisches Wissen erwerben, einem dreiköpfigen rabbinischen Gericht (Bejt Din) Rede und Antwort stehen und nach bestandener Prüfung in der Mikwe, dem rituellen Bad, dreimal untertauchen. Männer müssen sich zudem beschneiden lassen. Rabbiner beschränken sich auf die Mission nach innen, verdeutlicht Wiens Oberrabbiner seine Aufgabe, die Juden näher zum Glauben und zu Gott bringen.
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