Sonntag, 9. Jänner 2005

Parmalat-Skandal: Parmas Staatsanwalt will ranghohe Politiker vernehmen

  • Landwirtschafts- und Regionenminister unter Beschuss
  • Auch Rocco Buttiglione soll vernommen werden

Der Staatsanwalt von Parma, Vito Zincani, wird am Montag einige Politiker vernehmen, die angeblich von Parmalats Firmengründer Calisto Tanzi Schwarzgelder kassiert haben sollen. Der Staatsanwalt wird Indiskretionen zufolge auch Europaminister Rocco Buttiglione und den Präsidenten der Industriekommission der Abgeordnetenkammer, Bruno Tabacci, vernehmen, berichteten italienische Medien am Sonntag. Buttigliones und Tabaccis christdemokratische Partei CDU soll laut Zincani Schwarzgelder von Tanzi kassiert haben.

Zincani hatte im Dezember das Ministergericht aufgefordert, Ermittlungen gegen Landwirtschaftsminister Gianni Alemanno von der rechten Regierungspartei Alleanza Nazionale (AN), und gegen Regionenminister Enrico La Loggia von der Forza Italia von Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, aufzunehmen.

Die Genehmigung des Ministergerichts ist notwendig, damit Staatsanwälte Ermittlungen gegen Regierungsmitglieder aufnehmen können. Der Firmengründer der insolventen Firma Parmalat, Tanzi, hatte laut italienischen Medien den Landwirtschaftsminister Alemanno belastet. Der 65-jährige Großunternehmer habe Alemannos Zeitschrift "Area" Gelder im Wert von 74.400 Euro zugeschanzt. Auch Minister La Loggia habe von den Finanzierungen profitiert.

Tanzi soll nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft jährlich umgerechnet etwa zwei Millionen Euro Schwarzgelder an Politiker gezahlt haben, berichteten italienische Medien, die sich auf Ermittlerkreisen in Parma bezogen. Die Gelder seien über Jahre hinweg an Politiker der Regierung wie der Opposition geflossen.(apa)

9.1.2005 21:41