Montag, 10. Jänner 2005

ÖIAG-Aufsichtsrat beschließt: Siemens-Angebot für VA Tech wird angenommen!

  • ÖIAG erwartet in Summe 123,75 Millionen Euro Erlös
  • Kritik von der Opposition: Tausende Jobs in Gefahr

Dem Rückzug des Staates aus der börsenotierten VA Tech steht nichts mehr im Weg: Der ÖIAG-Aufsichtsrat hat Montagnachmittag in einer außerordentlichen Sitzung grünes Licht für den Verkauf des 14,7 Prozent-Anteils an Siemens gegeben. "Wir nehmen das Angebot von 55 Euro je Aktie an", hieß es nach dem heutigen Treffen in Wien. Sollte Siemens das bis 9. Feber befristete Übernahmeangebot nicht wie vom Markt erwartet nachbessern, erlöst die ÖIAG mit dem Verkauf ihrer 2,25 Millionen VA Tech-Aktien insgesamt 123,75 Mio. Euro.

Im Tauziehen um einen höheren Preis will die ÖIAG zwar nicht aktiv eingreifen. Dennoch liebäugelt sie mit einer Nachbesserung. ÖIAG-Aufsichtsratsboss Alfred Heinzel sagte heute vor Journalisten: "Wir hoffen auf mehr als 55 Euro." Zuvor hatte er in einem Interview mit der "Presse" erklärt: "Um die Aktienmehrheit zu bekommen, wird Siemens allen Verkäufern - und damit auch der ÖIAG - wohl den Börsenkurs zahlen müssen."

Spekulationen um Aufbesserung des Offerts
An der Börse wird bereits seit gut zwei Monaten auf ein aufgebessertes Offert spekuliert: So sollen etwa die US-Investmentbank Goldman Sachs, aber auch einige andere internationale Fonds ihre VA Tech-Anteile zuletzt kräftig aufgestockt haben, heißt es im Markt. Auch der VA Tech-Vorstand selbst hatte das Siemens-Angebot zuletzt als nicht angemessen bezeichnet. Am Montag schloss die VA Tech-Aktie mit 60 Euro um 2,3 Prozent fester. Gegenüber dem Offertpreis wird der Titel damit vom Markt um 9,1 Prozent höher taxiert. Siemens hatte allerdings erst vergangenen Mittwoch gegenüber der APA bekräftigt: "Unser Angebot ist veröffentlicht, der Preis steht mit 55 Euro fest."

Einstimmiger Aufsichtsratsbeschluss
Der Aufsichtsratsbeschluss der ÖIAG, das Siemens-Offert anzunehmen, erfolgte mit den Stimmen der Kapitalvertreter. "Einstimmig", wie Heinzel festhielt. Erwartungsgemäß gegen den Verkauf stimmten die Belegschaftsvertreter, weil sie eine Filetierung der VA Tech befürchten. Wie Heinzel meinte ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis dazu: "Durch die Annahme des Angebots können die Ziele des Privatisierungsauftrags in hohem Maß erfüllt werden."

Siemens sei "ein stabiler Kernaktionär, durch den eine nachhaltige Wertsteigerung und damit die ertragreiche Zukunft der VA Tech langfristig abgesichert werden kann". In einem allfälligen Delisting sieht Michaelis "keine schwerwiegende Beeinträchtigung" für die Wiener Börse, weil der Anteil der VA Tech am Leitindex ATX derzeit nur rund 2,2 Prozent betrage.

Kritik von der Opposition: Tausende Jobs in Gefahr
Höchst kritische Worte zum nun abgesegneten Verkauf der Bundesanteile kamen von der SPÖ. Wirtschaftssprecher Johann Moser sieht Tausende Jobs in Gefahr, die VA Tech werde "zu einer verlängerten Werkbank Deutschlands". Für Moser ist die Einheit des Unternehmens nicht gesichert, es drohe nun die Zerschlagung. Weiters sei die Konzernzentrale in Österreich nicht gesichert, auch der im Privatisierungsauftrag geforderte österreichische Kernaktionär sei nicht erkennbar. Mit dem Verkauf, so Moser, verstoße die Staatsholding "massiv gegen das ÖIAG-Gesetz und gegen den vorliegenden Regierungsauftrag". Zur Prüfung der "Causa" will der SPÖ-Abgeordnete jetzt den Rechnungshof einschalten. Auch Grünen-Budgetsprecher Werner Kogler hat "erhebliche Zweifel", ob der Verkauf der ÖIAG-Anteile an Siemens dem Privatisierungsauftrag der Bundesregierung entspricht.

Die VA Tech, größter heimischer Technologiekonzern, macht rund 4 Mrd. Euro Umsatz und beschäftigt weltweit knapp 17.000 Mitarbeiter (davon rund 8.000 in Österreich). Der Vorstand hat am Nachmittag seine zuletzt verbesserte Prognose bekräftigt, im Gesamtjahr 2005 einen Netto-Gewinn von mehr als 66 Mio. Euro erzielen zu wollen - nach einem für 2004 erwarteten Verlust von 65 bis 70 Millionen. Durch den Auftragsstand seien für heuer über 70 Prozent des geplanten Umsatzes bereits abgesichert, entscheidend für den heuer angepeilten Gewinn sei auch der erfolgreiche Abschluss des Sanierungsprogramms im abgelaufenen Jahr, hieß es. Im Konzern lag der Auftragseingang 2004 nach vorläufigen Zahlen mit rund 4,65 Mrd. Euro um 10 Prozent höher.

Größter VA Tech-Aktionär ist seit Anfang November Siemens, nachdem der deutsche Elektromulti der Gruppe um den Industriellen Mirko Kovats dessen 16,45-Prozent-Paket abgekauft hat. Seit Dezember läuft ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot an alle Aktionäre. Mit der jetzigen Zusage der ÖIAG hat Siemens zumindest einen Anteil von 31,14 Prozent in der Tasche. Abhängig gemacht hat Siemens allerdings das Zustandekommen des Deals unter anderem vom Erwerb von mehr als 50 Prozent der Anteile. Offen ist dabei, ob die VA Tech-Großaktionäre Goldman Sachs und Fidelity das aktuelle Angebot annehmen. Beide halten zusammen an die 15 Prozent. Angestrebt wird von Siemens die Totalübernahme.
(apa/red)

10.1.2005 19:49