Mittwoch, 5. Jänner 2005

Hat Parmalat Cirio zu teuer erworben? Ermittlungen über Verstrickungen laufen!

  • Jagd nach Geheimvermögen führt in die Schweiz
  • Parmalat soll bis zum Frühjahr wieder an Börse gehen!

Rund ein Jahr nach dem spektakulären Zusammenbruch des italienischen Lebensmittelkonzerns Parmalat laufen die Ermittlungen wieder auf Hochtouren. Die Staatsanwaltschaft von Parma ermittelt um die Verstrickungen zwischen dem skandalumwitterten Parmalat-Firmengründer Calisto Tanzi und dem Ex-Chef des insolventen Nahrungsmittelkonzerns Cirio, Sergio Cragnotti.

Parmalat hatte den Milchhersteller Eurolat 1999 von Cirio zu einem deutlich überhöhten Preis gekauft. 415 Mio. Euro hatte Parmalat für Eurolat gezahlt, doppelt so viel als den geschätzten Wert des Milchproduzenten, berichtete die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera". Die Ermittler wollen die Hintergründe dieses Kaufs klären, in der das Geldhaus Banca di Roma, Gläubiger von Parmalat und Cirio, eine Vermittlerrolle gespielt hatte. Im vergangenen Jahr habe Banca di Roma-Praesident, Cesare Geronzi, Parmalat zum Kauf von Eurolat "gezwungen", heißt es. Cirio war im Jahr 2002 zusammengebrochen. Cragnotti hatte wegen des Vorwurfs des betrügerischen Bankrotts seines Unternehmens 2004 drei Monate lang in Untersuchungshaft verbracht.

Inzwischen führen die Ermittlungen um Parmalats Insolvenz auch in die Schweiz. Vernommen wurde der einflussreiche Schweizer Rechtsanwalt Giorgio Spiess, Ex-Verteidiger des umstrittenen Ex-Chef von Italiens geheimer Freimaurerloge P2, Licio Gelli. Auf Spiess' Namen soll Tanzi ein Bankkonto eröffnet haben, auf dem laut Medienindiskretionen Millionen von Euro angesammelt wurden. Der "entthronte Milchkönig" besitzt dem Vernehmen nach außerdem noch Geheimkonten in Südamerika sowie Villen und Yachten.

Parmalats Insolvenzverwalter Enrico Bondi hofft auf eine erfolgreiche Suche nach Tanzis Vermögen. Die von den Ermittlern eingetriebenen Summen sollen zur Reduzierung des Fehlbestands von 14 Mrd. Euro in den Parmalat-Kassen dienen. Seit seinem Amtsantritt verfolgt der als eiserner Sanierer bekannte Manager nur ein Ziel: Parmalat soll spätestens im Frühjahr 2005 wieder an der Börse notiert werden.

Dafür will Bondi nicht nur vorzeigbare Unternehmensergebnisse liefern, sondern auch ein von Grund auf erneuertes Unternehmen präsentieren. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ist in den ersten elf Monaten des Jahres unter anderem durch drastische Einsparungen um 62 Prozent auf 250,5 Mio. Euro gesteigert worden. Im gleichen Zeitraum gingen die Umsätze wegen der anhaltenden Beteiligungsverkäufe des insolventen Konzerns jedoch um 5,4 Prozent auf rund 3,8 Mrd. Euro zurück. (apa/red)

5.1.2005 11:11