Montag, 10. Jänner 2005

Pleite des FC Tirol: Prozess endet mit drei Schuldsprüchen & bedingten Haftstrafen

  • Ein Jahr für Ex-Manager Robert Hochstaffl
  • 9 Monate für Bruckmüller & Kerscher - bedingt auf 3 Jahre

Der Strafprozess gegen die ehemaligen Bosse von Österreichs Fußball-Meister FC Tirol im Zuge der Megapleite im Juni 2002 wurde am Montag in Innsbruck nach sechs Prozesstagen mit Schuldsprüchen und drei bedingten Haftstrafen vorläufig abgeschlossen. Nach einstündiger Beratung der Schöffen verkündete Richter Anton Mayr das Urteil: Wegen des Vergehens der grob fahrlässigen Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen wurde Ex-Manager Robert Hochstaffl zu einem Jahr, die beiden früheren Präsidenten Othmar Bruckmüller und Martin Kerscher zu jeweils neun Monaten bedingt auf drei Jahre verurteilt. Vom Vorwurf des schweren Betrugs wurde Hochstaffl freigesprochen.

Zuvor hatte Staatsanwalt Wilfried Siegele in seinem Plädoyer unbedingte Strafen für alle Angeklagten, die für die größte Pleite in Tirol in den vergangenen zehn Jahren verantwortlich sein sollten, gefordert. "Die Strafe soll generalpräventive Wirkung haben, denn tausende Funktionäre anderer Vereine schauen auf dieses Verfahren."

Siegele warf Kerscher vor, am Fußballplatz einfach Präsident gespielt zu haben. "Das was man von ordentlichen Funktionären erwartet, wurde grobfahrlässig unterlassen. Das Trio hat einen übermäßigen Aufwand betrieben und eine wahnwitzige Aktion mit Parker Leasing gemacht." Dass die Angeklagten die Schuld an der Pleite an die Bundesliga mit deren Lizenzverweigerung 2002 weitergaben, konnte der Staatsanwalt, der darauf verwies, dass seit 1997 kein einziges Jahr positiv abgeschlossen wurde, nicht verstehen: "Das hat damit nichts zu tun. Denn die Zahlungsunfähigkeit ist schon im Sommer 2001 eingetreten."

Stefan Warga, Verteidiger Kerschers, verwies darauf, dass sein Mandat die Zahlungsunfähigkeit des Klubs nicht hatte erkennen können. "Denn selbst das Konkursgericht in Innsbruck hat im Frühjahr 2001 eine Zahlungsunfähigkeit beim FC Tirol nicht erkannt." Albert Heiss, Hochstaffls Anwalt, wehrte sich vehement dagegen, dass seinem Mandanten, der auch des schweren Betrugs angeklagt war, der Schwarze Peter zugeschoben wird. "Wenn selbst Wirtschaftsprüfer positive Gutachten verfassen, wie sollte dann Hochstaffl als gelernter Gendarm eine Zahlungsunfähigkeit erkennen."

Klaus Dorninger, Anwalt von Bruckmüller, wies daraufhin, dass sein Mandant selbst der größte Geschädigte des FC Tirols sei, denn er habe bisher über 12,7 Millionen Euro in den FC Tirol gesteckt. Dies hatte der Staatsanwalt Bruckmüller auch zu Gute gehalten. Alle Verteidiger hatten Freisprüche gefordert.

Am Vormittag wurde das Beweisverfahren mit der Einvernahme des ehemaligen Rechnungsprüfers Gert Arnold abgeschlossen. Der ebenfalls geladene Rene Gsaxner, der im Frühjahr 2002 ein positives Gutachten über den Weiterbestand des ehemaligen Meisters verfasste, entzog sich seiner Aussage.

Der Anklagepunkt gegen den Konkurs der Hochstaffl-Firma Global, die steuerschonend Spielergehälter in Deutschland abwickelte, wurde aus diesem Verfahren ausgegliedert, und zurück an den Untersuchungsrichter gewiesen.
(apa)

10.1.2005 18:36