Freitag, 7. Jänner 2005

Rocca in Chamonix zu stark: Der Italiener siegt im Slalom überlegen vor Raich

  • Matt, Pranger und Schönfelder auch unter den Top 10
  • Raich holt im Gesamtweltcup auf - Miller ausgeschieden

Giorgio Rocca hat am Sonntag den Weltcup-Slalom in Chamonix gewonnen und damit seinen Vorjahressieg am Fuße des Mont Blanc wiederholt. Der 29-jährige Italiener, der die Konkurrenz bereits im ersten Lauf um zumindest 1,22 Sekunden distanziert hatte, setzte sich klar vor dem Tiroler Benjamin Raich (+1,33) sowie dem Schweden Markus Larsson (+1,36) durch. Für Torlauf-Spezialist Rocca war es der fünfte Weltcupsieg seiner Karriere, der zweite in dieser Saison nach seinem Erfolg am 22. Dezember in Flachau.

Mit Mario Matt (+1,60) als Sechstem sowie Manfred Pranger (+1,76) und Rainer Schönfelder (+1,80) auf den Rängen acht bzw. neun landeten noch drei weitere ÖSV-Läufer in den Top Ten. Nach dem ersten Durchgang waren Raich, Pranger, Matt und Schönfelder sogar auf den Plätzen drei bis sechs gelegen.

"Ich freue mich riesig über diesen zweiten Platz, denn ich habe das Maximum herausgeholt. Giorgio ist hier gewaltig gefahren und war heute nicht zu schlagen", betonte Raich nach seinem fünften Podestplatz in dieser Saison, mit dem er viel Terrain im Gesamtweltcup gutmachte. Spitzenreiter Bode Miller aus den USA war bereits im ersten Durchgang ausgeschieden, weshalb sein Vorsprung auf den Pitztaler von 348 auf 268 Zähler schmolz.

Miller kündigt Boykott an
Der US-Amerikaner war wegen seines Fehlens bei der Startnummernauslosung am Vorabend nur mit Nummer 15 ins Rennen gegangen und verzeichnete den dritten Ausfall im vierten Saisonslalom, lediglich bei seinem Sieg im Nachtslalom in Sestriere kam er in diesem Winter durch. Miller kündigte bereits vor dem Rennen an, dass er auch in Zukunft Startnummernauslosungen boykottieren werde.

"Ich habe mich bei FIS-Renndirektor Günther Hujara schon beschwert, weil die Auslosungen fast regelmäßig um eine halbe Stunde zu spät beginnen. Wenn sich daran nichts ändert, dann fahre ich in Zukunft immer mit Nummer 15 im Slalom", meinte der Doppelweltmeister in einem ORF-Interview. Bereits der Abfahrtsauslosung am Freitagabend war der US-Star ferngeblieben, wobei er Hujara laut eigener Aussage vorher angerufen habe, um seine Abwesenheit zu entschuldigen. Der deutsche Renndirektor weiß von diesem Anruf aber nichts. Es kam allerdings noch in Chamonix zu einer Aussprache zwischen Hujara und Miller.

Die ÖSV-Läufer hatten dagegen im zweiten Lauf mit dem relativ weichen Schnee und dem direkten "Bolzerkurs" auf dem leichten Hang ihre Probleme. "Das Ergebnis ist zwar nicht schlecht, aber ich bin nicht glücklich damit. Ich bin zu viel durch die Gegend gefahren, war zu verkrampft und habe mir bei diesen Bedingungen auch sehr schwer getan", meinte Pranger zu seinem Rückfall von Rang vier auf acht.

Matt grübelt noch
Ex-Weltmeister Matt grübelte dagegen noch: "Mit Platz sechs bin ich nicht zufrieden, denn ich kann wesentlich mehr. Ich weiß nicht, woran es gelegen hat. Aber es ist halt schwer auf diesem Schnee und diesem leichten Hang. Wenn man da einmal den Ski etwas zu zart hinsetzt, ist gleich viel Zeit weg. Auf härteren Pisten tu' ich mir eben leichter, deshalb hoffe ich jetzt auf Wengen, Kitzbühel und Schladming."

Der Kärntner Rainer Schönfelder, der nach einem Ausrutscher im Badezimmer durch eine Hodenprellung gehandicapt war, übte sogar noch heftigere Selbstkritik. "Ich bin angefressen, denn ich habe es nicht geschafft, das umzusetzen, was ich mir vorgenommen habe. Ich bin mit viel zu wenig Mut gefahren. Das ärgert mich maßlos, das zipft mich brutal an", schimpfte der Kärntner, der seine schmerzhafte Verletzung "der linken Kugel" nicht als Ausrede gelten lassen wollte. "Diesen Umstand hätte ich wegstecken müssen."

Rocca freute sich dagegen riesig über seinen zweiten Sieg in Serie und die Führung im Spezialweltcup, in dem er nun zehn Punkte vor Raich liegt. "Im ersten Lauf bin ich super gefahren, im zweiten habe ich dann nur noch kontrolliert und versucht, keine Fehler zu machen", sagte Rocca, der (noch) nichts von einer WM-Favoritenrolle wissen wollte. "Natürlich bin ich mit meiner Form sehr zufrieden, doch bis zum WM-Slalom sind es noch fast fünf Wochen, da kann noch viel passieren."

Die große Überraschung des Tages war der Kanadier Patrick Biggs. Der 21-Jährige schaffte in seinem Weltcup-Debütrennen als 30. die Qualifikation für Lauf zwei und katapultierte sich dann in der Entscheidung mit Laufbestzeit noch auf Platz zehn! (apa/red)

Endstand Weltcup-Slaloms in Chamonix:

1.Giorgio RoccaITA1:28,15 Min.
2.Benjamin RaichAUT+1,33 Sek.
3.Markus LarssonSWE+1,36
4.Kalle PalanderFIN+1,42
5.Ivica KostelicCRO+1,57
6.Mario MattAUT+1,60
7.Silvan ZurbriggenSUI+1,65
8.Manfred PrangerAUT+1,76
9.Rainer SchönfelderAUT+1,80
10.Manfred MölggITA+2,00
.Patrick BiggsCAN+2,00
12.Alois VoglGER+2,07
13.Aksel Lund SvindalNOR+2,08
14.Jukka LeinoFIN+2,22
15.Ted LigetyUSA+2,26
16.Pierrick BourgeatFRA+2,41
17.Truls Ove KarlsenNOR+2,44
18.Jure KosirSLO+2,45
19.Patrick ThalerITA+2,46
20.Felix NeureutherGER+2,48
21.Kentaro MinagawaJPN+2,56
22.Cristian DevilleITA+2,60
23.Jukka RajalaFIN+2,68
.Martin MarinacAUT+2,68
25.Kilian AlbrechtAUT+2,70
26.Chip KnightUSA+2,76
27.Alain BaxterGBR+2,93
28.Erik SchlopyUSA+3,29
29.Tom RothrockUSA+3,50


U.a. nicht für das Finale der besten 30 qualifiziert: Michael Walchhofer (AUT/32.), Reinfried Herbst (AUT/37.)

Ausgeschieden:
Im zweiten Lauf: Sebastien Amiez (FRA
Im ersten Lauf u.a.: Kurt Engl, Patrick Bechter (beide AUT), Bode Miller (USA), Akira Sasaki (JPN), Thomas Grandi (CAN)

7.1.2005 13:51