Nach dem Zugcrash bei Bologna: Massive
Kritik an Regierungschef Berlusconi
- Sparpolitik gehe zu Lasten der Sicherheit bei der Bahn
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·BILDER: Zwei Züge zusammengestoßen
Schweres Unglück in Italien mit mehreren Toten
·Bologna: Zugcrash im Nebel - 16 Tote!
80 Verletzte, darunter auch Touristen. Plus: BILDER
Das schwere Zugunglück in Bologna mit 16 Toten hat nun auch politische Folgen; Gewerkschaften, Opposition und Medien werfen Regierungschef Berlusconi vor, seine Sparpolitik gehe zu Lasten der Sicherheit bei der Bahn. Auf der eingleisigen Unglückslinie Bologna - Verona fehlten Sicherheitsstandards. Pläne zum Bau eines zweiten Gleises würden seit Jahren verschleppt. Auf der Strecke würden Züge, die ein rotes Signal überfahren, nicht automatisch zum Halten gebracht.
Die Gewerkschaftsverbände der italienischen Staatsbahnen planen eine Protestinitiative, um mehr Sicherheit im italienischen Bahnsystem zu verlangen. "Wegen der Sparmaßnahmen, die die italienischen Staatsbahnen ergriffen haben, sind sowohl Instandhaltung als auch Personal radikal gekürzt worden. Die Bahnen sind in Italien heute ein gefährliches Verkehrsmittel geworden", betonte ein Vertreter des Gewerkschaftsverbands COMU.
"Wenn es an Sicherheitssystemen mangelt, wird auch der kleinste menschliche Fehler ein großer Risikofaktor. Ein Großteil des italienischen Bahnnetzes ist veraltet. In den vergangenen Jahren hat die Regierung Berlusconi die Investitionen auf die Hochgeschwindigkeitsstrecken konzentriert und die regionalen Bahnlinien ignoriert", betonte der Chef des stärksten Gewerkschaftsverbands im Land, der CGIL, Guglielmo Epifani.
Dass das italienische Bahnsystem veraltert ist, sieht auch der Senator der rechten Regierungspartei Alleanza Nazionale (AN), Paolo Danieli, ein. "Die Bahnlinie, auf der sich das Zugunglück ereignet hat, ist noch dieselbe, die zu den Zeiten des Kaisers Franz Joseph gebaut wurde. Dies ist ein Skandal, wenn man bedenkt, dass das Gebiet zwischen Verona und Bologna zu den meist entwickelten und meist bevölkerten Regionen in Europa zählt", betonte der Senator.
Wegen des Rationalisierungsprogramms, das die italienischen Bahnen in den vergangenen Jahren durchgeführt haben, ist das Personal um rund 100.000 Personen reduziert worden. Die Gewerkschaftsverbände protestieren insbesondere gegen den Beschluss, aus Spargründen die Zahl der Lokführer zu reduzieren. "Das jüngste tragische Zugunglück ist ein Beweis, dass die andauernden Personalkürzungen die Sicherheit der italienischen Bahnen beeinträchtigen", betonte ein Gewerkschaftssprecher.
Der Konsumentenschutzverband Codacons forderte nach dem Zugunglück den sofortigen Rücktritt des Geschäftsführers der Staatsbahnen, Roberto Testori. "Die Sparmaßnahmen der Eisenbahngesellschaft gefährden die Sicherheit der Passagiere", betonte ein Sprecher des Verbands.
Das schwere Zugunglück im Norden des Landes ist nach Angaben der Behörden vermutlich durch menschliches Versagen verursacht worden. Einer der Zugführer habe im dichten Nebel wahrscheinlich ein rotes Signal übersehen, gab die Staatsanwaltschaft in Bologna bekannt. Allerdings sei auch ein Defekt an einer Weiche nicht völlig auszuschließen, berichtete das staatliche italienische Fernsehen am Samstag weiter. Bisher seien 16 Leichen aus den Trümmern der Züge geborgen worden, hieß es nach neuesten Angaben.(apa/red)
