Montag, 10. Jänner 2005

Nach klarem Wahlsieg: Abbas will Friedens-verhandlungen mit Israel wieder aufnehmen

  • Laut Wahlkommission kommt PLO-Chef auf 62,3%
  • US-Präsident Bush will Abbas in Washington empfangen

Der neu gewählte palästinensische Präsident Mahmud Abbas will Friedensverhandlungen mit Israel wieder aufnehmen. Bei einem Empfang für internationale Wahlbeobachter sagte Abbas am Montagabend in Ramallah, er sei dem internationalen Friedensplan ("road map") verpflichtet. "Wir reichen unserem Nachbarn die Hand und sind bereit für einen gerechten Frieden", sagte Abbas. "Wir hoffen auf eine positive Antwort von ihnen."

Der gemäßigte PLO-Chef hatte die Palästinenserwahl vom Sonntag mit 62,3 Prozent der Stimmen gewonnen. Er tritt die Nachfolge des vor zwei Monaten verstorbenen Yasser Arafat an. Die palästinensische Führung hält ein Treffen zwischen ihrem neu gewählten Präsidenten Abbas und dem israelischen Ministerpräsidenten Sharon in Kürze für möglich. Ein solcher Gipfel könne "möglicherweise" bereits in zwei Wochen stattfinden, sagte der palästinensische Außenminister Shaath am Montag.

Die Palästinensische Autonomiebehörde begrüßte weiters die einladenden Worte von US-Präsident Bush an Abbas. "Bushs Äußerungen sind ermutigend und wir hoffen, dass er sich für die Zwei-Staaten-Lösung einsetzt", sagte der Sprecher der Autonomiebehörde, Nabil Abu Rudeina, in Gaza. Bush hatte zuvor gesagt, er "freue" sich darauf, Abbas in Washington zu empfangen, "wenn er kommen möchte". Den vor rund zwei Monaten verstorbenen Vorgänger von Abbas, Yasser Arafat, hatte Washington nicht als Gesprächspartner akzeptiert.

Die EU-Kommissarin für Außenbeziehungen, Ferrero-Waldner, hat die USA und Israel indessen zu einer verbesserten Zusammenarbeit mit der neu gewählten Palästinenser-Führung aufgefordert. Israel solle auf den Sieg des moderaten Abbas bei der Präsidenten-Wahl mit einer Lockerung der Reiseeinschränkungen in den Palästinenser-Gebieten reagieren, sagte Ferrero-Waldner der Nachrichtenagentur Reuters. Die Europäische Union solle zudem die USA dazu drängen, mit Abbas besser zusammenzuarbeiten als mit dessen Vorgänger Arafat, der im November gestorben ist (apa/red)

10.1.2005 22:09