Mittwoch, 5. Jänner 2005

Wieder blutige Anschläge auf irakische Sicherheitskräfte: Mindestens 25 Tote!

  • Sprengsatz detonierte vor einer Polizeischule
  • Zahl der Aufständischen auf bis zu 30.000 geschätzt

Die Gewalt gegen einheimische Sicherheitskräfte und Regierungsvertreter im Irak nimmt vier Wochen vor der Wahl stetig zu. Einen Tag nach dem Attentat auf den Gouverneur von Bagdad wurden bei der Explosion einer Autobombe vor einer Polizeischule mindestens 20 Menschen getötet und über 40 verletzt. Wenige Stunden später riss ein Selbstmordattentäter in Bakuba fünf Polizisten in den Tod, Unbekannte erschossen außerdem den Vorsitzenden der örtlichen Wahlkommission.

Der Sprengsatz vor der Polizeischule in Hilla, 100 Kilometer südlich von Bagdad, detonierte, als in der Akademie gerade eine Abschlussfeier stattfand. Unter den 20 Todesopfern waren nach Angaben eines polnischen Militärsprechers mindestens zehn Polizisten.

Insgesamt kamen in den vergangenen vier Tagen mindestens 90 irakische Sicherheitskräfte bei Anschlägen ums Leben, über 1.300 waren in den vergangenen vier Monaten des vergangenen Jahres getötet worden. Die Zahl der seit Kriegsbeginn im März 2003 getöteten US-Soldaten liegt etwa genauso hoch. Der irakische Geheimdienst schätzte die Zahl der gewalttätigen Extremisten im Land am Mittwoch auf 20.000 bis 30.000.

Bei einem Autobombenanschlag in Bagdad wurden am Mittwoch zwei Zivilisten getötet, mindestens zehn weitere wurden nach Polizeiangaben verletzt. Unklar war, ob sich die Bombe gegen den Trauerzug für den am Dienstag getöteten Bagdader Gouverneur Ali Radi al Haidar oder einen Militärkonvoi richtete.

Extremisten von Syrien aus gesteuert
Vier weitere Iraker wurden bei einem Feuergefecht in Ramadi getötet. Nach Krankenhausangaben hatten US-Soldaten das Feuer eröffnet, nachdem ihr Konvoi mit Granaten angegriffen worden war. Bereits am Dienstag kam ein US-Soldat beim Angriff auf eine amerikanische Militärpatrouille in Tal Afar im Nordirak ums Leben, wie die Streitkräfte am Mittwoch bekannt gaben.

Die Extremisten würden von zwei Funktionären des gestürzten irakischen Regimes von Syrien aus gesteuert, sagte Geheimdienstchef Mohammed Abdullah al Shahwani der in London erscheinenden arabischen Zeitung "Asharq al-Awsat". Die Kämpfer seien ehemalige Angehörige der mittlerweile verbotenen Baath-Partei, der aufgelösten irakischen Streitkräfte oder islamistischer Gruppen. In den sunnitischen Landesteilen verfügten sie obendrein über rund 200.000 Sympathisanten.

Finanzielle Unterstützung erhalten die Extremisten nach Angaben des Geheimdienstchefs von dem früheren Baath-Funktionär Mohammed Yunis al-Ahmed und einem Halbbruder Saddam Husseins, Sabaawi al-Hassan. Beide hielten sich in Syrien auf, reisten aber regelmäßig in den Irak. Syrien, das von einem anderen Baath-Flügel regiert wird, hat den Vorwurf, die Rebellen im Nachbarland zu unterstützen, wiederholt zurückgewiesen.

An der Wahl am 30. Jänner könnten sich nach Angaben der UN-Organisation für Migration (IMO) bis zu eine Million im Ausland lebende Iraker beteiligen. 14 Staaten hätten zugestimmt, Wahllokale für die Exilanten einzurichten. (apa/red)

5.1.2005 18:57