Fernseh-Sucht: Italiens Kinder sitzen europaweit am längsten vor TV-Gerät
- Durchschnittlich drei Stunden und 37 Minuten pro Tag
- Italienische Bambini schlagen Briten und Deutsche
Die italienischen Kinder sitzen europaweit am längsten vor dem Fernsehen. Durchschnittlich drei Stunden und 37 Minuten verbringen die italienischen Kinder zwischen vier und zwölf Jahren pro Tag vor dem Fernsehen, ergab eine Studie des Wochenmagazins "Marketingtv.com". Die britischen Kinder verbringen drei Stunden und 30 Minuten vor der "Glotze", die deutschen drei Stunden und 20 Minuten. Besser ist die Lage in den skandinavischen Länden und in den Niederlanden, wo die Kinder maximal zwei Stunden täglich fern sehen. Die TV-Gewohnheiten österreichischer Kinder wurden in der Studie nicht erhoben.
Der Verfasser der Studie, Antonio Marziale, rief die italienischen Eltern auf, die vor dem "Kastl" verbrachte Zeit ihrer Kinder strenger zu regeln und ihnen alternative Beschäftigungen vorzuschlagen. "Über drei Stunden vor dem Fernsehen sind für die psychosoziale Integration der Kinder durchaus schädlich. Sie fördern die Isolierung der Kinder, die ihre Energie nicht austoben können. Daher kommt es oft zu Spannungen und Gereiztheit, was auch zu Ernährungsstörungen führt", warnte Marziale.
Ein Gruppenexperiment in einem Dorf in der Toskana, in dem italienische Forscher die Folgen des Fernsehens auf den Nachwuchs erforscht haben, ergab, dass zu viel Fernsehen negative Effekte für das Hormon-System hat und zudem die sexuelle Reifung von Kindern beschleunigt. Die Kinder, denen eine Woche lang der TV-Konsum verboten wurde, hatten 30 Prozent mehr Melatonin im Blut als vor Beginn des Experiments.
In der 9.000-Seelen-Gemeinde Cavriglia (Toskana) verzichteten in den vergangenen Monaten rund 50 Familien eine Woche im Mai freiwillig aufs Fernsehen. Statt ihre Kleinen vor dem TV-Gerät "abzustellen", mussten die Eltern ihre Sprösslinge zum Spielen anhalten. Abends wurden Geschichten vorgelesen, wie Kinderärzte von der Universität Florenz berichteten. Ziel des Experiments war, die Folgen einer "Fernseh-Entgiftung" auf Kinder zu erforschen, die täglich drei Stunden vor dem Bildschirm verbrachten. (apa/red)
