Montag, 3. Jänner 2005

Makabere Verwechslung: Steuerreform-Inserate mit Nummer der Flut-Hotline!

  • Regierung verweist auf aktuelle Nummer 0810/00 12 28
  • Grünen kritisieren Hotline mit unausgebildeten Soldaten

Eine peinliche Verwechslung ist der Regierung im Zusammenhang mit der Telefon-Hotline für die österreichischen Opfer der Flutkatastrophe im Indischen Ozean unterlaufen. In einem ganzseitigen Inserat in mehreren Tageszeitungen wirbt die Regierung für ihre mit 1. Jänner in Kraft getretene Steuerreform. Darin wird für weitere Informationen unter anderem das Österreichtelefon unter der Nummer 0800/222 666 angegeben. Genau unter dieser Nummer ist aber seit dem 26. Dezember eine Hotline für Angehörige der Opfer Flutkatastrophe eingerichtet.

Die Mitarbeiter an dieser Hotline kämpfen nun damit, dass sie nicht nur die Flut-Opfer zu betreuen haben, sondern auch zahlreiche Anrufe entgegen nehmen müssen, in denen Steuerinformationen erfragt werden. "Mit diesem Problem kämpfen wir schon den ganzen Vormittag", teilte ein Mitarbeiter der APA mit. Diese Anrufer würden auf die neue Nummer 0810/00 12 28 verwiesen.

Grünen kritisieren Hotline
Scharfe Kritik an der Regierung im Zusammenhang mit der Telefon-Hotline für die Opfer der Flutkatastrophe am Indischen Ozean kommt von den Grünen. Zur Hotline seien auf persönliches Betreiben von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) 20 Grundwehrdiener abkommandiert worden. Die Garde-Soldaten hätten keine psychologische Ausbildung, "dieser Dienst ist vollkommen unzumutbar für sie", so Pilz gegenüber der APA. Dazu komme jetzt noch die Verwirrung um die Steuer-Inserate der Regierung.

"Seit heute Früh kriegen die ständig Anrufe, sie sollen den Leuten Steuerspartipps geben", kritisiert Pilz. "Das ist blanker Unfug und wirkliches Chaos." Die Grundwehrdiener seien "ratlos". Pilz fordert den Abzug der Grundwehrdiener von der Telefon-Hotline. An Stelle der Grundwehrdiener solle man zusätzlich zu den in der Hotline tätigen Heeres-Psychologen Sozialarbeiter einsetzen: "Man wird ja in Wien 20 Sozialarbeiter auftreiben können."

Die Grundwehrdiener hätten für ihren Dienst in der Flut-Hotline "nicht einmal eine Einschulung", sondern nur eine Einweisung bekommen, kritisiert Pilz. Die Verantwortung für den Einsatz der Wehrdiener bei der Hotline trage Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V), der ihren Einsatz im Ministerrat angefordert habe, sowie Verteidigungsminister Günther Platter (V): "Meiner Meinung nach hätte der Verteidigungsminister Nein sagen müssen. Der trägt die Verantwortung für seine Grundwehrdiener." Derzeit würden die Wehrpflichtigen als "Notnagel für alles" gesehen, kritisiert der Grüne Abgeordnete.

Hotline der Stadt Wien
Die Stadt Wien bietet nach der Flutkatastrophe telefonische Hilfe an: Seit heute, Montag, bietet die "Akutbetreuung Wien" unter der Wiener Telefonnummer (01) 4000-7524 eine Hotline für Betroffene und deren Angehörige der Flutkatastrophe in Südasien. Sie ist rund um die Uhr von Fachleuten besetzt und bietet psychosoziale Betreuung. (apa/red)

3.1.2005 15:44