Donnerstag, 6. Jänner 2005

"Enorme Schlechterstellungen" beklagt: Chefarztpflicht-neu brachte völliges Chaos

  • Ärtzekammer: "Dumme und unpraktikable Regelung"
  • Nur mehr wenige Medikamente ohne Aufwand erhältlich

"Chaos pur" herrscht nach Angaben der Ärztekammer seit Montag in den Ordinationen. Der Grund ist die Neuregelung der Chefarztpflicht. Sie sei die "dümmste und unpraktikabelste Regelung, die je erfunden wurde", so Ärztekammer-Chef Brettenthaler. Die Ärzte seien zwar um eine geordnete Abwicklung bemüht, Wartezeiten und Engpässe in der Medikamentenversorgung seien aber an der Tagesordnung.

Verursacht wird das "Chaos" laut Brettenthaler dadurch, dass der Hauptverband die Listen, nach denen Ärzte die von der Kasse bezahlten Medikamente verordnen, nicht rechtzeitig versendet habe. Zudem bringe die Chefarztpflicht-neu "aberwitzige und unpraktikable Dokumentationsschikanen". Die Ärzte müssten bei bewilligungspflichtigen Medikamenten detailreiche Dokumentationsblätter ausfüllen. In vielen Ordinationen herrsche "Katastrophenstimmung", schilderte Brettenthaler. Aus allen Landesteilen erreichten die Ärztekammern seit Wochenbeginn wütende Proteste und Beschwerden von Ärzten und Patienten.

Scharf kritisieren die Ärzte auch den so genannten Erstattungskodex für Medikamente an sich. Dabei werden die rund 3.000 Präparate in drei fiktive Boxen eingeteilt. In der Grünen Box befinden sich die frei verschreibbaren Medikamente, in der gelben sind Medikamente, deren Verschreibung der Arzt dokumentieren muss bzw. die weiter der Bewilligung durch den Chefarzt unterliegen. Und in der No-Box gibt es Arzneien, die nur im Einzelfall genehmigt werden.

Brettenthaler bemängelte, dass die Zuordnung der Medikamente in sich nicht schlüssig sei. So enthalte die grüne Box nicht nur frei verschreibbare Präparate, sondern sehe wie bisher durchaus Beschränkungen vor. Kuriensprecher Pruckner bezeichnete wiederum die Dokumentationspflicht für Medikamente aus der gelben Box als "abstrus". So müsse der Arzt erläutern, warum kein vergleichbares Präparat aus der grünen Box verschrieben worden sei.

Außerdem sei der in Buchform vorliegende Kodex in er Praxis "nahezu unverwendbar", die Suche nach Medikamenten sei "nur mühsam möglich und sehr zeitaufwändig", so Pruckner.
(apa)

6.1.2005 19:24