Donnerstag, 6. Jänner 2005

Schneller als die Konkurrenz erlaubt: Ahonens Erfolgsrezept ist der Top-Speed

  • Stiller Finne steht auf gefährliche Dragster-Rennen
  • Tournee-Dominator zeichnet Comics und singt Karaoke

Die Medien haben ihn lange Zeit zu etwas gemacht, das er gar nicht ist: Janne Ahonen ist nicht der emotionslose Maskenmann, der niemals lächelt. Hinter dem Image, das der mittlerweile 27-jährige Finne Jahre lang selbst gepflegt hat, steckt ein Mensch mit vielen Facetten.

"Ich bin jetzt sehr glücklich. Alles läuft perfekt, zu Hause wie auch beim Springen", meint der eher wortkarge Ahonen zu seiner Erfolgsserie. "Es überrascht mich selbst, wie es mir läuft." Wie immer ist die Ursachenforschung, warum es einem Sportler gerade so gut läuft, eine schwierige. "Ein alter Mann lernt keine neuen Tricks mehr", meinte er einmal.

Doch vielleicht hat Janne Petteri Ahonen aus Lahti den Grundstein dazu im vergangenen Sommer gelegt. Er verzichtete ganz auf die Teilnahme am Sommer-Grand-Prix und ging stattdessen seiner großen Leidenschaft, den Dragster-Rennen, nach. "Ich mache das auch, um das Skispringen im Sommer aus dem Kopf zu bekommen." Ein völlig neuer Ansatz, der so manchem Springer, der das ganze Jahr durchgeplant hat, wohl zu denken geben wird. "Geschwindigkeit ist ein Teil meines Lebens", meint der leidenschaftliche Motorradfahrer mit glänzenden Augen.

Ahonen steht auf Dragster-Rennen!
Mit rund 300 km/h brauste er bei diesen Rennen im Sommer von Sieg zu Sieg, wurde skandinavischer Meister. "So ein Gefährt beschleunigt innerhalb von 0,9 Sekunden auf 100 km/h", erzählt Ahonen.

Privat hat er sich noch mehr gefestigt: Ahonen heiratete im Sommer seine Langzeitfreundin Tiia, die ihm vor drei Jahren einen Sohn namens Mico geschenkt hat. "Rückhalt und Motivation" holt er sich von seiner Familie. Er liebt laut eigenen Aussagen das harmonische Familienleben und stammt auch selbst eigentlich aus ganz einfachen Verhältnissen. Der Vater war in Jannes Kindheit Schneider, die Mutter arbeitete in einer Fabrik, die Angelhaken erzeugt hat.

Comic-Zeichner und Karaoke-Talent
Mittlerweile kann der vierfache Weltmeister (1997 Einzel sowie drei Mal mit der Mannschaft) schon weit größere Brötchen backen: Allein in dieser Weltcup-Saison hatte er bisher über 210.000 Schweizer Franken (137.400 Euro) brutto an Preisgeld verdient. In der Zwischenzeit hat er sich in seinem Geburtsort Lahti eine Riesenvilla mit 340 m2 gebaut, hat am Entwurf selbst mitgearbeitet. In Ahonen schlummert auch künstlerisches Talent: Er zeichnet Comics und hat zumindest früher wie so viele Finnen auch so manchen Abend in einer Karaoke-Bar verbracht. Besonders angetan haben es dem gelernten Feinmechaniker Songs von Elvis Presley.

In sportlicher Hinsicht verlässt er sich schon seit längerem auf seinen Heimtrainer Ari Saukko, der sich aber bescheiden im Hintergrund hält und nur hin und wieder zu den Weltcupspringen erscheint.

Springen am körperlichen Limit
Die Konkurrenz beobachtet ihn mit Bewunderung. "Er spielt mit den Kräften, der Körper ist wie wenn man einen Stab balanciert. Er genießt es, aber ist absolut am Limit", beschreibt ÖSV-Cheftrainer Alex Pointner den Sprungstil des "Schanzen-Schumis".

Nur am Ende der Sprünge des schon seit Jahren für seine Konstanz bekannten Ahonen hat sich etwas geändert: Dem eher coolen, ausgestreckten Zeigefinger sind nun für den Finnen wahre Freudenausbrüche gewichen. Siegerfaust und Daumen-hoch.

Seine Karriere begann er als 15-Jähriger, mit 16 holte er in Engelberg seinen ersten von bisher 27 Weltcupsiegen. Gemeinsam mit dem früheren Kombinierer Jari Mantila hat er übrigens auch eine Firma eröffnet, die Motorrad-Zubehör der Firma Uvex importiert. Doch ehe er sich zurückzieht, gibt es zumindest noch ein großes Ziel: Olympia-Gold in Turin, denn neben Team-Silber hat er noch keine Olympia-Einzelmedaille. (apa/red)

6.1.2005 19:08