Donnerstag, 30. Dezember 2004

Dem Tod ganz nah: Zig Österreicher wurden Opfer der Flut-Katastrophe!

  • Viele haben den Kampf gegen die Flutwelle verloren
  • Überlebende sprechen in NEWS über ihr Leid

Dem Tod ganz nah: Hunderte Österreicher mussten in den Urlauberparadiesen um ihr Leben laufen. Viele konnten sich retten. Aber viel zu viele haben den Kampf gegen die Flutwelle verloren. Überlebende und Angehörige der Seebeben-Opfer sprechen in NEWS über ihr Leid!

Es sollte ein Traumurlaub werden. Sonne, Sand, Meer wollten Ilse und Andreas Schallert genießen, „eben einmal richtig den Alltag vergessen“, wie sie vor ihrer Abreise sagten. Und wirklich: Die ersten Tage in Thailand waren wunderbar. „Wir sind hier im Paradies“, vermeldete das Ehepaar aus Bregenz noch am Heiligen Abend via SMS an die daheim gebliebenen Verwandten und Freunde … Jede Minute der noch kommenden Ferientage wollten die beiden 46-Jährigen auskosten. Auch am 26. Dezember ist das so gewesen. Schon um sieben Uhr morgens frühstückten die zwei auf der Terrasse ihres Hotels in Khao Lak, kurze Zeit später lagen sie bereits am Strand.

Kurz vor acht Uhr beschloss Andreas Schallert, ein wenig im Meer zu schwimmen. Und dann geschah die Katastrophe. So plötzlich, so unerwartet.

In dem bis dahin so ruhigen Wasser entstand mit einem Mal ein starker Sog, vor den Augen seiner Gattin wurde der Mann von der Naturgewalt erfasst und aufs offene Meer hinausgeschleudert. Und Sekunden danach war sie da – diese riesige Welle. Die Dunkelheit. Die Hölle.

Verschollen
Siebeneinhalb Stunden später erfuhr Andreas Pohdolek, ein Neffe der Schallerts, von der Tragödie im Indischen Ozean. „Es muss gegen 9.30 Uhr gewesen sein“, so der Unternehmer aus Wien, „als ich im Radio die Nachricht von dem Seebeben hörte. Und sofort dachte ich an meine Tante und meinen Onkel.“

Vergeblich versuchte Pohdolek, die beiden per Handy zu erreichen: „Ich bekam eine böse Vorahnung.“ Die zunehmend schlimmer wurde: „Denn laufend wurden ja höhere Opferzahlen genannt.“ Und Ilse und Andreas Schallert blieben verschollen …

Suche in Thailand
Bis ihr Neffe am Vormittag des 27. Dezember vom Außenamt die Information bekam: Die Frau liegt schwer verletzt in einem Spital in Suranthani, von dem Mann fehlt jede Spur. Noch am selben Abend machte sich Pohdolek auf den Weg nach Thailand. Sein Plan: „Zuerst will ich meine Tante besuchen – und danach werde ich mich auf die Suche nach meinem Onkel machen, am Strand von Khao Lak. Und ich werde nicht eher von dort zurückkehren, bis ich ihn gefunden habe …“

Wenig Hoffnung
Doch die Chancen, dass Andreas Schallert wohlauf ist, sind gering. Nur wenige Menschen in dieser beliebten Touristenregion dürften das Drama überlebt haben. „Am Strand von Khao Lak standen Dutzende Hotels, in welchen zum Zeitpunkt der Tragödie Tausende Touristen untergebracht waren“, so ein Sprecher eines Reiseveranstalters, „und leider steht mittlerweile fest: Keines dieser Gebäude existiert mehr …“ Und von den meisten der Feriengäste fehlt jede Spur.

Berichtet auch jene Urlaubergruppe aus der Steiermark und Kärnten, die mehr als 48 Stunden lang in einer Tempelanlage auf einem Hügel hinter dem Strand von Khao Lak quasi gefangen gewesen ist.

Wolfgang und Claudia Meyer aus Graz hatten sich in ihrem Hotel, dem „Flowers Garden“, gerade beim Frühstück befunden – als sie vom Meer her eine meterhohe Welle auf sich zurasen sahen. „Sie sind“, berichten ihre Angehörigen, „um ihr Leben gerannt. Ihr Glück war: Unmittelbar nach der Bungalowanlage ist ein Hügel. Dort retteten sie sich hinauf.“ Zwei Tage lang harrten die Österreicher in einer Tempelanlage aus – bis sie geborgen werden konnten.
Michael Stangl, der Schwiegersohn der Meyers: „Mitunter verließen sie ihr ,Versteck‘, um auf den Terrains der früheren Hotelkomplexe nach Nahrung zu suchen.“ Vergeblich: „Der Tsunami hatte einfach alles vernichtet.“

Die ganze Story lesen Sie im NEWS-Extra zum Tsunami!

30.12.2004 10:12