Mittwoch, 29. Dezember 2004

Das NEWS-Extraheft zur Flut-Katastrophe: Österreicher berichten, wie Sie entkamen!

  • 32 Seiten Reportagen über die Flutkatastrophe
  • Mit dem Heft-Kauf helfen Sie den Opfern vor Ort

Augenschein in Phuket: Österreicher berichten, wie sie gerade noch das Inferno im einstigen thailändischen Urlaubsparadies überleben konnten.

Herbert Hrybar, 43, bemerkte am Khao-Lak-Strand, 70 Kilometer nördlich von Phuket, etwas Eigenartiges an diesem strahlend schönen Sonntagmorgen, dem Stefanitag. Die türkisblaue Andaman-See an der Westküste des Ferienparadieses Thailand zog sich weit zurück, eine plötzliche Ebbe, die er noch nie zuvor beobachtet hatte. „Wir waren neugierig, gingen zum Strand raus“, schüttelt Hrybar im NEWS-Gespräch den Kopf. Gerade hatte der Hobbytaucher einen Fortgeschrittenenkurs mit seiner Lebensgefährtin Karin Brodtrager absolviert, bis zum 10. Jänner sollte der Traumurlaub dauern.

„Einheimische hoben die Krabben aus dem Sand“, wundert er sich heute. Am Horizont tauchte plötzlich eine Welle auf. Wie groß, habe er nicht abschätzen können, sagt er, „dafür fehlten die Anhaltspunkte“. Als er sich umdrehte, sah er die Einheimischen hektisch winken. „Kommt raus, kommt raus!“, riefen sie. Dann noch lauter: „Run! Run for your life!“ („Rennt um euer Leben!“)

Mit seinen 120 Kilo rannte der Steirer vor der heranbrausenden braunen Gischt davon, durch die Bungalowanlage, Karin an seiner Seite. „An der Straße waren wir plötzlich vom Wasser eingeschlossen.“ Er habe Karin an der Hand gehalten, sie nochmals geschrieen: „Herbert!“ Dann rissen die Fluten sie auseinander. „Wie ein Gummiball bin ich durch das Gestrüpp geschwemmt worden“, erzählt Hrybar: „Instinktiv habe ich mich mit Beinen und Armen vor den scharfen Ästen der Sträucher geschützt.“ Immer wieder ging er in der wie Jauche riechenden Brühe unter. Dann verließ ihn die Kraft. „Ich wollte nur mehr sterben“, berichtet er und lacht fast, als er eine neue völlig neue Erfahrung beschreibt: „Ich habe mir das Ertrinken viel schwerer vorgestellt.“

Gerade wollte er den Mund aufmachen und sich aufgeben, als ihn die Flutwelle – 400 Meter im Landesinneren – freigab. Nackt, zerschürft an Armen und Beinen, mit einem Ast, der in der Bauchdecke steckte, und blutend lag er am Rücken im Matsch.

„Rauf auf den Berg!“ Rund um ihn weitere Überlebende. „Ich suchte nach Karin“, sagt er mit gesenktem Kopf, „keine Spur von ihr.“ Eine Deutsche schrie: „Hilfe! Hilfe!“ Sie war unter einem Baum eingeklemmt, Hrybar half ihr hervor. „Rauf auf den Berg! Rauf auf den Berg!“, schreien die Thailänder. Der Steirer schleppte sich den Hang hinauf, wie er das alles geschafft hat, weiß er bis heute nicht. „Es kann nur der Schock gewesen sein“, sagt er. Den ganzen Tag über hockten die Überlebenden auf dem Hügel. Hrybar blutete stark, doch niemand getraute sich hinunter. Am Abend gab es keine Wahl mehr: „Man hat mir hinuntergeholfen, mich in einem örtlichen Spital notverarztet.“

Zuerst wollte er rasch heimfliegen, dann doch auf die scheinbar unvermeidliche Todesnachricht über seine Lebensgefährtin warten. Im österreichischen Konsulat bittet er den NEWS-Reporter, ihm das Handy für einen Anruf nachhause zu borgen. „Karin lebt?!“, brüllt er plötzlich ins Telefon, die Tränen rinnen ihm über die Wangen. Sie hatte des Inferno sogar ohne nennenswerte Verletzungen überlebt, durch mangelnde Kommunikationsmöglichkeiten wussten beide 18 Stunden lang nicht vom Überleben des anderen.

Die ganze Story lesen Sie im aktuellen NEWS-Extraheft zur Flut. Das Heft ist ab sofort am Kiosk erhältlich.

29.12.2004 18:31