Donnerstag, 30. Dezember 2004

Schlechte Karten für Frauen am Arbeits- markt: Arbeitslosigkeit 2004 stark gestiegen

  • 70 Prozent der geringfügig Beschäftigten sind Frauen
  • Einkommensunterschied Frau - Mann hat sich verstärkt

Auf "Frauenpower" setzt Frauenministerin Maria Rauch-Kallat (V) im Jahr 2005. Ihre Frauenpolitik wurde von den Oppositionsparteien im zu Ende gehenden Jahr allerdings als nicht vorhanden bzw. unzureichend bekrittelt. Die Daten zeigen: Die Frauenarbeitslosigkeit ist 2004 angestiegen, 70 Prozent der geringfügig Beschäftigten sind Frauen. Der Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern hat sich verstärkt. Der Wiedereinstieg hat sich laut einer Studie für Frauen seit dem Kindergeld erschwert.

Die Arbeitslosigkeit von Frauen steigt - in den monatlichen Arbeitslosenstatistiken des AMS waren 2004 vor allem Frauen stark betroffen. Im August - als die Arbeitslosigkeit in der Bundeshauptstadt Wien bei Männern um 0,9 Prozent zurückging - stieg sie bei Frauen auch hier an: um 0,5 Prozent im Vergleich zum Monat im Vorjahr. Mit Stichtag 1. Dezember 2004 waren beim AMS 132.271 Frauen arbeitslos gemeldet. Das ist ein Plus zum Vorjahreszeitraum um 0,5 Prozent. Besonders auffällig: In der Gruppe der 25- bis 49-jährigen Frauen wurde ein Anstieg um 3,8 Prozent verzeichnet. Im Oktober war der Anstieg ausschließlich weiblich: Bei den Männern nahm die Arbeitslosigkeit um 1,3 Prozent ab, bei den Frauen um 2,4 Prozent zu.

Kindergeld als Grund für hohe Arbeitslosigkeit
Die Gründe dafür sind laut AMS die schlechte Lage am Arbeitsmarkt, aber auch, dass mehr Frauen auf den Arbeitsmarkt drängen. Als weitere Gründe werden aber auch der Mangel an Lehrstellen und der "erschwerte Wiedereinstieg" nach Bezug des Kinderbetreuungsgeldes angeführt. Laut einer Studie des Wiener Synthesis-Instituts versuchten drei von vier Frauen den Wiedereinstieg nach der Elternkarenz, aber nur jede Zweite schaffe ihn auch. Ein Drittel bekomme lediglich eine geringfügige Beschäftigung.

Laut Angaben des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger ist die Zahl der geringfügig Beschäftigten im November auf einen neuen Rekordwert gestiegen: 70 Prozent davon sind Frauen. Die Frauenerwerbsquote der 15 bis 65-jährigen liegt laut AMS derzeit bei rund 63 Prozent und ist den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen. 2002 lag laut WIFO die Quote bei 61,1 Prozent, 1999 bei 59,3 Prozent.

Männer verdienen doppelt so viel wie Frauen
Der Rechnungshof hat im Dezember den Einkommensbericht 2002/2003 präsentiert und auf die nach wie vor bestehenden Einkommensunterschiede zwischen Mann und Frau hingewiesen - vor allem Arbeiterinnen verdienen mit 9.500 Euro Jahresbrutto um mehr als die Hälfte weniger als Männer (21.230 Euro brutto). Dieser Unterschied zieht sich naturgemäß durch bis ins Alter. Die durchschnittliche Frauenpension beträgt 10.640 brutto im Jahr, die der Männer 19.550 Euro brutto.

Auch der Einkommenszuwachs der Männer lag 2003 deutlich über jenem der Frauen: Das Durchschnittseinkommen der unselbstständig Beschäftigten Frauen stieg 2003 um 1,08 Prozent, jenes der Männer um 1,71 Prozent. Begründet wurden diese Unterschiede vom Rechnungshof unter anderem mit den höheren Anteil der teilzeitbeschäftigten Frauen und weil sie mehr Kindererziehungs- und Karenzzeiten haben als Männer.
(apa/red)

30.12.2004 09:19