ÖVAG will Investkredit: Totalübernahme würde mehr als 780 Millionen Euro kosten
- Volksbanken AG hat bereits einige Pakete in der Tasche
- BA-CA & RZB: "Verkaufen nicht" - Aktie auf Rekordhöhe
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Im Poker um die börsenotierte Investkredit hat die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) zu einem unerwarteten Coup ausgeholt: Die kleinste der fünf Investkredit-Eigentümerbanken im Bankensyndikat rüstet für eine Übernahme. Die ÖVAG gab Dienstagfrüh bekannt, dass sie sich in einem ersten Schritt bereits die Investkredit-Pakete von BAWAG P.S.K., Erste Bank und Wiener Städtischer gesichert hat: zu 123 Euro je Aktie. Zum selben Preis sei ein Übernahmeangebot an die übrigen Aktionäre geplant. Zum gebotenen Kaufpreis von 123 Euro pro Aktie bewertet die ÖVAG die sechstgrößte Bank des Landes mit knapp 780 Mio. Euro.
Die ÖVAG - bisher mit 3,5 Prozent beteiligt - wolle "alle Aktien, die sie kriegt", heißt es zur APA. Allerdings haben die größte Investkredit-Aktionärin, die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA, 28,1 Prozent) und die Raiffeisen Zentralbank (RZB, 16,4 Prozent) heute zunächst einmal abgewunken: Die beiden Syndikats-Aktionäre wollen ihre Investkredit-Aktien nicht verkaufen. Raiffeisen will vielmehr weiterhin auf eine Sperrminorität kommen. Damit ginge sich eine Mehrheit für die ÖVAG freilich nicht mehr aus. Die Aktie der Investkredit - die in der früh eineinhalb Stunden vom Börse-Handel ausgesetzt war - schoss von der Wiederaufnahme des Handels von 10.30 Uhr bis 14.50 Uhr um 7 Prozent auf 124,50 Euro.
Ginge der Plan der ÖVAG auf, und käme die Bieterin zumindest in eine "konsolidierungsfähige" Größenordnung von 51 Prozent, dann könnte die ÖVAG ihre Position am heimischen Bankensektor sowie im maßgeblichen Industriekundengeschäft massiv verstärken. Mit einer Bilanzsumme von zusammen knapp 45 Mrd. Euro rangierten ÖVAG und Investkredit (samt Kommunalkredit) nach BA-CA, Erste Bank, RZB und BAWAG P.S.K. unter den fünf größten Kreditinstitutsgruppen des Landes.
Die Österreichische Volksbanken AG hält derzeit 3,5 Prozent der Aktien an der 1957 gegründeten Spezialbank Investkredit. Am Donnerstag Nachmittag will die ÖVAG in einem Sonder-Aufsichtsrat die Aufstockung beschließen. Dann kann die ÖVAG im ersten Schritt die Pakete der bisher drei Anbieter des aktuellen "Verkäuferkonsortiums" im Ausmaß von zusammen 41,5 Prozent (Kostenpunkt: mehr als 320 Mio. Euro) aufnehmen. Damit hielte die ÖVAG dann zunächst rund 45 Prozent an der Investkredit. Sie wäre so größter Einzelaktionär. Angepeilt ist vom Vorstand freilich die Mehrheit.
ÖVAG-Generaldirektor Franz Pinkl gab sich heute früh zuversichtlich, dass sein Übernahmeangebot für die Investkredit von Erfolg gekrönt sein wird. Beide Institute passten bestens zusammen. "Für beide Unternehmen ist dies eine Jahrhundertchance", meint Pinkl. Er ist auch zuversichtlich, dass die kartellrechtliche Genehmigung erteilt werden wird. Eine Kapitalerhöhung brauche er dafür nicht, sagte Pinkl zur APA. "Auch keinen Partner." Der Eigenkapitalpolster sei gut gefüllt. Und er würde die Investkredit "so nehmen wie sie ist".
Der gebotene Kaufpreis errechnet sich nach Expertenangaben aus dem zum Ende des dritten Quartals für 2004 erwarteten Konzernüberschuss, was ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 15 bedeutete, zuzüglich der für 2004 erwarteten Dividende von 2 Euro je Aktie. Im Markt wird der Übernahmepreis von 123 Euro je Aktie als "fundamental betrachtet ordentlich" bewertet. Dass auf mehr spekuliert wird, zeigte heute der Kurszettel: Eine halbe Stunde nach Wiederaufnahme des Handels lag der Börsekurs bereits über dem Gebot. Seit Jahresbeginn hat die Aktie mehr als 140 Prozent zugelegt.
Die Investkredit ist zu 83 Prozent in Händen von fünf Syndikats-Banken. Im Herbst hatten BAWAG P.S.K. und Erste Bank den anderen Syndikatspartnern ihre Aktien zum Kauf angeboten (angedient). Bank Austria und RZB bekundeten Interesse, ließen - wie berichtet - jedoch die offizielle Annahmefrist, die bis Ende November lief, ungenützt verstreichen. BAWAG P.S.K. und Erste Bank haben nun das Recht, frei über ihre Aktienpakete zu verfügen. Sie dürfen zwar nur zu mindestens 123 Euro je Aktie verkaufen. Allerdings gilt für diese beiden Banken seit Anfang Dezember das Syndikat de facto als "außer Kraft" gesetzt, hieß es heute zur APA.
Die Investkredit kommt aktuell auf mehr als 20,3 Mrd. Euro Bilanzvolumen. Sie beschäftigt in der Gruppe (inklusive Kommunalkredit) im In- und Ausland 495 Mitarbeiter. Die Konzern-Bilanzsumme der ÖVAG betrug Ende des dritten Quartals 23 Mrd. Euro. Das Spitzeninstitut der österreichischen Volksbanken, das in Osteuropa gerade 49 Prozent seiner Ostbankenholding VBI (im Wert von 400 bis 500 Mio. Euro) an deutsche und französische Schwesterbanken verkauft, hat mehr als 4.500 Mitarbeiter.
Zwei Player zieren sich: "Die Bank Austria Creditanstalt steht nicht auf der Verkäuferseite." So lautete das mit Spannung erwartete erste offizielle Statement der größten Investkredit-Aktionärin zum Übernahmeplan der ÖVAG. Die BA-CA stehe nicht davor, Investkredit-Aktien zu verkaufen, so ein Sprecher. Es bestehe akut kein Handlungsbedarf, weder in die eine Richtung ("zu 123 Euro wollten und wollen wir nicht kaufen") noch in die andere Richtung (Verkauf der Aktien zum aktuellen ÖVAG-Angebot). Bisher hatte die BA-CA wiederholt erklärt, aufstocken zu wollen. In der Branche war davon ausgegangen worden, dass die HVB-Tochter die Mehrheit in der Wiener Spezialbank anstrebt. Auch die RZB bleibt weiter bei ihrer Linie: Kein Verkauf, man strebe weiterhin danach, den Anteil von rund 16 auf 25 Prozent und eine Aktie (Sperrminorität) anzuheben.
Die Erste Bank bestätigte finale Verkaufsverhandlungen für ihr Paket: "Die ÖVAG hat uns signalisiert, dass sie in das Angebot, das wir allen Syndikatspartnern gemacht haben, einsteigt." Das heißt, die ÖVAG zahlt jene 123 Euro je Investkredit-Aktie, die die Erste Bank bei der "Andienung" an die anderen Syndikatsbanken als Preis für ihr rund 11-prozentiges Investkredit-Paket verlangt hatte. Bank Austria und RZB war das bisher zu teuer gewesen. (apa/red)
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