Sonntag, 2. Jänner 2005

Ahonen auf den Fersen: Morgenstern vom
zweiten Tournee-Zwischenrang überrascht

  • Jung-Star hat noch Reserven bei Anlaufgeschwindigkeit
  • ÖSV-Präsident hilft bei der Suche nach verlorenen km/h

Thomas Morgenstern hat sich nach dem zweiten Platz beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen vom elften auf den zweiten Gesamtrang in der Tourneewertung geschoben und war überrascht. "Das hab ich zuerst gar nicht geglaubt, dass ich Zweiter bin", meinte der 18-jährige Kärntner, der nun mit 35,9 Zählern Rückstand erster Verfolger des Seriensiegers Janne Ahonen ist.

Dem Sieg, den er wegen der schlechten Landung Ahonens im zweiten Durchgang nur um sechs Punkte verpasste, trauerte Morgenstern nicht nach. "Ich hätte es nicht verdient gehabt. Janne war in allen Springen bis jetzt der verdiente Sieger."

Doch Morgenstern hat noch einige Reserven, vielleicht weniger für diese Tournee als in weiterer Zukunft. Der Jungstar im ÖSV-Team läuft nun schon beinahe ein Jahr, seit Willingen im Vorjahr, der optimalen Anlaufgeschwindigkeit hinterher. "Da kann ich gleich zwei Luken weiter unten wegspringen. Ich muss einfach schneller werden", meinte "Morgi".

Am Tag danach sah er es nach außen hin nicht mehr so tragisch. "Man darf nicht nur auf die Anlaufgeschwindigkeit schauen. Ich muss einfach schauen, dass ich gut springe", sagte Morgenstern, offenbar auch nach internen Briefings. Dass die Sache aber nicht so auf die leichte Schulter genommen wird, zeigte auch ein frühmorgendlicher Ausflug nach Steinach zu einem Schuh-Experten. "Heut' hab' ich schon um sieben Uhr aufstehen müssen", meinte Morgenstern nach der Sonderschicht lachend.

Der Boss hilft persönlich
ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel hatte sich persönlich des Themas angenommen und den Kärntner gemeinsam mit Co-Trainer Richard Schallert zu einem Experten aus dem alpinen Lager geschickt. "In erster Linie wurde darauf geschaut, wie Morgi auf den Skiern steht", verriet Schallert. "Was keiner weiß, ist, dass sich unser Präsident in diesem Bereich wirklich gut auskennt. Und es kann uns nur helfen, wenn er sich dafür einsetzt", meinte auch der Nordische Direktor, Toni Innauer, zu diesem Thema. Natürlich ist die optimale Schuh-Abstimmung nichts Neues, doch gibt es verschiedene Messmethoden und auch verschiedene Mess-Geräte.

"Ich glaube nicht, dass sich das sofort auswirken wird. Aber vielleicht schaffen wir es ja bis zur WM, dass er um einen halben km/h schneller wird", so Innauer. Freilich wird auch in Sachen Schliff usw. hinter den Kulissen hart gearbeitet, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Alle springen um den zweiten Platz
Doch Morgenstern selbst wollte sich vorerst ganz auf seine Sprünge konzentrieren, und so ging er mit dem Ziel Platz zwei in die heimischen Tourneebewerbe. "Der Gesamtsieg wird sich wahrscheinlich nicht mehr ausgehen. Im Grunde springen wir jetzt alle um den zweiten Platz, das ist momentan mein Hauptziel."

Der laut Selbstbeschreibung "total ehrgeizige" Morgenstern ist sich der Ausnahme-Situation rund um den schon neunfachen Saisonsieger Janne Ahonen bewusst. "Normalerweise bist mit dem zweiten Platz schon der erste Verlierer. Aber momentan springen wir halt nur um den zweiten Platz und da ist dieser auch wieder wie ein Sieg."

Cheftrainer Pointner wollte das Thema Anlaufgeschwindigkeit eigentlich nicht in den Vordergrund stellen. "Wichtig ist, dass gut gesprungen wird und die Technik optimiert wird." Später gab er aber zu, dass manche Bewerbe vom Anlauf her am Limit sind. "Und da können schon zwei, drei Zehntel Unterschied sehr viel ausmachen." (apa/red)

2.1.2005 12:20