Freitag, 31. Dezember 2004

Geschäft mit der Katastrophe: Plünderer rauben Todesopfer und "verkaufen" sie

  • Angehörige müssen Tote von Kriminellen "freikaufen"
  • Empörung: "Eine himmelschreiende Schande"

Im Katastrophengebiet von Südostasien haben Plünderer Zeitungsberichten zufolge nicht nur die Wertgegenstände von Toten gestohlen, sondern sogar Leichen aus den Krankenhäusern geraubt, um sie anschließend für teures Geld an Angehörige zu "verkaufen". In Sri Lanka habe ein Überlebender der Flutkatastrophe 50 Dollar (knapp 37 Euro) bezahlen müssen, um die Leiche eines Verwandten ausgehändigt zu bekommen, der am Sonntag in der Küstenstadt Galle ums Leben gekommen war, berichtete die Boulevardzeitung "Lankadeepa" am Freitag.

"Menschliche Aasgeier" würden sich aus den Leichenbergen bedienen, die in den Krankenhäusern aufgeschichtet seien, schrieb das Blatt. Einige Banden böten verzweifelten Angehörigen an, für 100 Dollar nach den Leichen von Vermissten zu suchen, zitierte die Zeitung "Island" einen Offizier: "Es ist eine himmelschreiende Schande, dass eine Hand voll Krimineller den Toten so etwas antut, während die große Mehrheit der freiwilligen Helfer von Nächstenliebe getrieben wird sowie Zeit und Geld darauf verwendet, die Toten aufzufinden und den Überlebenden zu helfen".

Zum Teil würden Plünderer den Toten ihre verbliebenen Wertgegenstände abnehmen, berichtete das Blatt. Manche schreckten den Berichten zufolge nicht einmal davor zurück, den Leichen einen Finger oder ein Ohr abzuschneiden, um an Ringe oder Ohrstecker zu gelangen.

Auch aus Thailand wurde von Plünderungen und Diebstählen berichtet. Auf der Ferieninsel Phuket habe sich ein Mann als Polizist verkleidet und den Tresor eines Schmuckgeschäftes ausgeräumt, berichtete die Tageszeitung "The Nation". Der Räuber habe dabei eine Beute von drei Millionen Baht (knapp 56.600 Euro) gemacht.

Auf der völlig verwüsteten Insel Phi Phi sei eine 200 Mann starke Rettungsmannschaft, die zu einer Hilfsorganisation gehört habe, abrupt abgezogen, nachdem die Polizei bei einer Durchsuchung bei jedem Zehnten von ihnen gestohlene Wertgegenstände gefunden habe. Auf dem Landungssteg zum Festland gebe es deshalb nun Polizeikontrollen: Die Polizisten würden sich von den Helfern die Ausweispapiere zeigen lassen und sie durchsuchen.

Viele Tote könnten nicht identifiziert werden, weil sie keine Ausweispapiere bei sich hätten, sagte der stellvertretende Gouverneur der südthailändischen Provinz Krabi, Thirathep Sriyaphan, der Zeitung. "Wir sind uns nicht sicher, ob die Brieftaschen gestohlen oder von den Wellen weggespült worden sind."

(apa/red)

31.12.2004 13:28