Österreicher und die Flut-Katastrophe: Kritik am Außenministerium wird heftiger
- Behörden würden ihre Arbeit viel zu langsam machen
- Betroffene mit Krisenmanagement unzufrieden
Viel zu langsam drehen sich die bürokratischen Mühlen Österreichs. So lautet zumindest die einstimmige Kritik derer, die Tag für Tag an den Flughafen Wien-Schwechat pilgern, dort hoffen und bangen, dass die Namen ihrer Lieben, die derzeit in den asiatischen Katastrophengebieten vermisst werden, auf Listen der Rück- und Krankentransporte auftauchen. Herbert K. aus Linz konnte am Donnerstagabend zumindest seinen "Schwager in spe" in die Arme schließen.
Er war an Bord des AUA-Krankentransport aus Phuket (Thailand), der 48 Österreicher zurück in die Heimat brachte. Seine Schwester wird weiterhin vermisst. "Ich bin hier, um ihm das Gefühl zu geben, dass er keine Schuld trägt", meinte der verzweifelte Bruder.
Das Pärchen wollte zwei Wochen lang ihren Urlaub auf der Phi-Phi-Insel verbringen, als sie am idyllischen Frühstückstisch von der tödlichen Welle überrascht wurden. "Mein Schwager wurde fortgerissen und hat nichts und niemanden mehr gesehen", berichtet der sichtlich geknickte Mann. "Er wurde auf einen Hügel geschwemmt, wo er ziemlich rasch von Thailändern gefunden und versorgt wurde". In einem provisorischen Camp traf der Österreicher, der nichts weiter mit sich hatte als die Kleidung, die er am Leib trug, auf Landsleute, denen es besser ergangen war und die noch einige Habseligkeiten retten konnten.
Die Hilfsbereitschaft war riesengroß berichtet Herbert K. Mit einem geborgten Handy konnte das Tsunami-Opfer die Angehörigen in Österreich verständigen, dass zumindest er am Leben ist. Für die Schwester habe der Linzer allerdings wenig Hoffnung. Trost spendet die Familie, mit der er in täglichem engem Telefonkontakt steht.
Lautstarke Kritik äußerte Herbert K. am Bürokratismus und der lähmenden Informationspolitik Österreichs. "Meiner bangenden Mutter hat man zunächst im Außenministerium gesagt, sie würde lediglich verständigt, wenn ihre Tochter tot sei". Auch von Botschaften und heimischen Institutionen erfuhr die Familie wenig Hilfe. Während die Hilfe an Ort und Stelle sehr ausgeprägt, mitmenschlich und fruchtbar sei, müsse man sich in Österreich jede Information schwer erkämpfen.
Mit dieser Kritik ist Herbert K. konform mit Romana Bartl. Die Öffentlichkeitsarbeiterin hat sich einer befreundeten Familie angenommen. Mutter und Geschwister sind in den Fluten verschollen. Auch sie prangert die österreichischen Behörden an, auf die "in dieser Krisensituation kaum Verlass" sei. Seit Tagen warten die Angehörigen täglich darauf, dass die Namen ihrer Angehörigen auf einer Passagierliste eines Fluges aus den betroffenen Gebieten auftaucht: bisher vergebens. Dennoch verliert die Familie, deren Verwandte ihren Urlaub auf Khao Lak verbrachten, die Hoffnung nicht und versucht anderen verzweifelten Angehörigen beizustehen. "Hier am Flughafen helfen sich die Zurückgebliebenen gegenseitig", meint Bartl.
Nun überlegt die Tochter und Schwester ernsthaft, ob sie nicht " auch gegen das Abraten des Außenministeriums - auf eigene Faust in das Krisengebiet fliegen und nach ihren Lieben suchen soll. "Das Außenamt höre ich nicht mehr", so das verzweifelte Resümee der jungen Frau, die derzeit noch täglich mit Bildern der Vermissten, Peter Heissenberger, Attila Suri, Csaba Suri und Mutter Edith Suri am Flughafen Schwechat steht und hofft, von den Heimkehrern einen kleinen Hinweis über deren Verbleib zu bekommen.
(apa/red)
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