Mittwoch, 29. Dezember 2004

Nach Rekordbeben in Südasien:
Die Erde wird sich nun schneller drehen

  • Erdachse bekam einen Schlag von 2,5 Zentimeter ab
  • Geologen: Erdplatten um rund 30 Meter verschoben

Die Erde dreht sich nach dem schweren Erdbeben vor der Küste von Sumatra nun schneller. Die tektonischen Platten unter dem Indischen Ozean Experten wurden um rund 30 Meter verschoben.

Im Jet Propulsion Laboratory der Nasa stellten US-Forscher unterdessen die Theorie auf, durch das gewaltige Beben der Stärke Neun am Sonntag könne sich - möglicherweise dauerhaft - die Erdrotation beschleunigt haben. Auf Grund der bei dem Beben bewegten Erdmasse komme man rechnerisch auf einen Wert von drei Microsekunden (=drei Millionstel Sekunden), um die sich die Erde nach der Katastrophe nun schneller drehen könnte.

Außerdem habe die Erdachse bei dem Beben womöglich einen kleinen Schlag abbekommen, nämlich um rund 2,5 Zentimeter, sagte Richard Gross, Geophysiker des Instituts. Da allerdings die Erdpole ohnehin eine variable Kreisbahn von rund zehn Metern zögen, fielen diese 2,5 Zentimeter auch nicht weiter ins Gewicht. Gravierende Folgen habe das jedenfalls nicht. "Es ist ziemlich schwierig, den Globus echt ins Wackeln zu bringen", sagte dazu der Seismologe Hiroo Kanamori.

Wissenschaftler vom US Geological Survey teilten mit, die in Pasadena in Kalifornien von ihnen ausgewerteten Satelliten-Aufnahmen zeigten, dass sich nach der Verschiebung der Erdplatten vor der Nordspitze Sumatras die Inselgruppe der Nikobaren und die Simeulue-Insel um eine bestimmte Strecke in Richtung Meer bewegt hätten.

Genaue Angaben über die Verlagerung ließen sich aber erst nach weiteren Messungen mit GPRS-Systemen vor Ort sagen, teilte der USGS-Geologe Ken Hudnut mit.

In Pasadena wurde am Dienstag noch an Hand von Satelliten-Bildern untersucht, ob durch das Übereinanderschrammen der Erdplatten, das das Beben am Sonntag ausgelöst hatte, eventuell jetzt die Hafen-Zufahrt von Banda Aceh in Sumatra durch aufgeworfenen Schotter versperrt sei. Ähnliche Probleme hatte es nach den schweren Erdbeben in Kobe (Japan) und Golcuk (Türkei) gegeben. Die Wissenschaftler hoffen auf hochauflösende Bilder der Betreiber kommerzieller Satelliten, um über die Folgen der Beben- und Flutwellen-Katastrophe Näheres zu erfahren.(apa/red)

29.12.2004 10:30