Dienstag, 28. Dezember 2004

Vermeidbare Katastrophe: Fehlendes Frühwarnsystem verhinderte Rettung

  • Tausende hätte sich in Sicherheit bringen können
  • Pazifik-Tsunami-Zentrum hatte Seebeben registriert

Ein Tsunami-Frühwarnsystem, wie es längst schon für die Pazifik-Region existiert, hätte nach Einschätzung von Experten möglicherweise Tausende Menschenleben nach dem Seebeben in Südasien am Sonntag retten können. Experten auf Hawaii haben das Seebeben im indischen Ozean nämlich früh bemerkt - eine Warnung vor der drohenden Flutwelle konnte wegen des fehlenden Frühwarnsystems in Asien aber offenbar nicht rechtzeitig weitergeleitet werden.

Das Pazifik-Tsunami-Warnzentrum hat nach eigenen Angaben um 2.14 Uhr MEZ eine Warnung bezüglich eines Erdbebens vor der Küste Indonesiens herausgegeben. Darin sei auf das Risiko einer Flutwelle hingewiesen worden. Doch in den Anrainerstaaten des Indischen Ozeans gibt es ein Warnsystem vor den gefährlichen Flutwellen nach Seebeben nicht. Die asiatischen Regierungen hätten bisher offenbar geglaubt, darauf verzichten zu können, da sich solche Katastrophen eigentlich nur alle 700 Jahre ereigneten, sagte der Chef des Pazifik-Tsunami-Warnzentrums, Charles McCreery, in der Nacht zum Montag der Nachrichtenagentur Reuters.

"Wir haben getan, was wir konnten, aber wir haben keine Kontakte in unseren Adressbüchern für irgendwen in diesem Teil der Welt." Ein funktionierendes Kommunikationssystem für Indien, Thailand, Bangladesch und Sri Lanka existiere eben nicht.

Bereits in der Nacht zum Sonntag hatte auch die Nationale US-Bebenwarte das Seebeben mit einer Stärke von 8,9 registriert, aber dabei blieb es dann, weil die US-Behörden über keine detaillierten Informationen aus den betroffenen Regionen verfügten. Vorläufige Statistiken gehen davon aus, dass auf Sumatra, in Sri Lanka, in Bangladesch und Südindien über 11.000 Menschen bei dem Beben und durch die Flutwellen starben.

"Die meisten Menschen hätten gerettet werden können, wenn es ein solches Tsunami- und Hochwasser-Warnsystem gegeben hätte", sagt auch Waverly Person vom US-Geological Survey's National Earthquake Information Center. Die USA unterhalten solche Zentren seit langem etwa in Hawaii und in Alaska. Der Indische Ozean wird hingegen nicht überwacht.

Bis eine Tsunami nach einem Seebeben an den Küsten aufläuft, bleibt nach Angaben von Experten eine Zeit von 20 Minuten bis zu zwei Stunden, damit die Menschen vor den bis zu zehn Meter hohen Flutwellen noch flüchten können - Vorwarnung vorausgesetzt.

"Es hat anderthalb Stunden gedauert, bis die Welle vom Erdbeben bis nach Sri Lanka kam, und eine Stunde, bis sie die Westküste Thailands und Malaysias erreichte", sagte McCreery. "Man kann jedoch in 15 Minuten sicheres Gebiet landeinwärts erreichen."
(apa/red)

28.12.2004 09:17