"Das Patriarchat hat ausgedient": Rauch-Kallat setzt im neuen Jahr auf Frauenpower
- Ministerin betont: "Frauen sind denkende Wesen"
- Eigenverantwortung bei Aus- und Einstieg in Beruf
Frauenministerin Maria Rauch-Kallat (V) will mit Frauenpower ins neue Jahr und setzt dabei vor allem auf Eigenverantwortung der Frauen. Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch präsentierte sie ihre Vorhaben für 2005. Zum Thema Einkommenunterschiede zwischen Männer und Frauen merkte die Ministerin an, dass der Rechnungshof für Verwirrung gestiftet habe: Bei den Vollzeitbeschäftigten habe sich der Unterschied nämlich verringert. Den Ausstieg aus dem Berufsleben und den Wiedereinstieg müssten Frauen eigenverantwortlich planen.
"Frauen sind denkende Wesen und das Patriarchat hat ausgedient", betonte Rauch-Kallat im Gespräch mit der APA. Deshalb wende sie sich auch gegen Bevormundung und Befürsorgung der Frauen durch den Staat. Die Frauenministerin wolle junge Frauen davon überzeugen, auch Berufe zu wählen, die besser bezahlt sind, und den Ausstieg aus dem Berufsleben wegen Kindererziehung und auch den Wiedereinstieg gut zu planen. "Eigenverantwortung ist gefragt".
Angesichts von Studienergebnissen, dass der Wiedereinstieg seit dem Kindergeld für Frauen erschwert worden sei, denke sie aber nicht an eine Reform des Kindergeldgesetz hinsichtlich Kündigungsschutz. Sie wolle auf Information der Frauen setzen. Sie habe die einzelnen Gebietskrankenkassen angewiesen, die Frauen drei Monate vor Ablauf der 24 Monate auf das Ende des Kündigungsschutzes hinzuweisen. Die Frauen seien dann aufgefordert, den Kontakt mit dem Arbeitgeber herzustellen und zu überdenken, ob sie trotzdem weiterhin zu Hause bleiben wollen. Sie hat eine Studie über die Arbeitsmarktentwicklung beim IHS-Institut in Auftrag gegeben, weil Frauenarbeitsplätze stärker gefährdet seien als die der Männer. Sie erwartet sich die Ergebnisse mit Mitte 2005.
Zum Einkommensbericht des Rechnungshofes meinte sie, dass die Erweiterung der Einkommensschwere zwischen Frauen und Männern durch die Teilzeitbeschäftigungen entstanden sei. Die Einkommensschere schließe sich dort, wo es um Vollzeitbeschäftigungen gehe. "Mir ist es lieber, wenn Frauen teilzeitbeschäftigt sind - als gar nicht beschäftigt", betonte die Ministerin grundsätzlich. Sie rechnete bei der Pressekonferenz vor, dass der Unterschied bei den jährlichen Medianeinkommen um 2 Prozentpunkte zurückgegangen sei, bei den Durchschnittseinkommen um einen Prozentpunkt.
Auf die Frage, was aus ihrer Forderung als ÖVP-Generalsekretärin nach einem Arbeitsbewertungsverfahren geworden ist, meinte sie gegenüber der APA, dass sie den Sozialpartnern nur einen Brief schreiben könne - mit der Aufforderung bei den Kollektivverhandlungen auf Diskriminierungen zu achten und die Gehaltsschemata zu durchforsten. Sie wiederholte ihre Forderung nach mehr Frauen in den KV-Verhandlungsteams. Beim Arbeitsbewertungsverfahren könnte der Wert der Arbeit neu definiert werden und dadurch höhere Löhne für Frauen besser argumentiert werden. Die Ministerin nannte das schweizerische Modell ABAKABA (Analytische Bewertung von Arbeitstätigkeiten) als Beispiel.
Im November hat die Anzahl der geringfügig Beschäftigten nach Angaben des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger einen Rekordwert erreicht und 70 Prozent der geringfügig Beschäftigten sind Frauen. Die Frauenministerin nimmt diese Zahl zur Kenntnis, sieht es aber auch positiv, da viele Frauen dadurch überhaupt die Möglichkeit hätten, am Arbeitsmarkt präsent zu bleiben und Versicherungszeiten für die Pension zu erwerben.
Zu der Kritik, dass sie als Frauenministerin zu wenig präsent sei, meinte Rauch-Kallat: "Ich nehme Vorwürfe immer ernst, aber das stimmt einfach nicht". Sie kritisierte die mediale Berichterstattung über Frauenthemen: Leitungsfunktionen in den Medien seien primär in Männerhand und die Berichterstattung sei männerdominiert. Lediglich 18,6 Prozent der Wortmeldungen in der Nachrichtensendung des ORF, Zeit im Bild, würden von Frauen kommen. Daher sei auch Bewusstseinsbildung in den Medien selbst gefragt. (apa/red)
