Mittwoch, 22. Dezember 2004

Leise rieselt der Euro: Tourismus darf sich
über ausgezeichnete Buchungslage freuen

  • Früher Schnee und Billigflieger kurbelten Interesse an
  • Gesamt aber ein Prozent unter dem Vorjahresergebnis

Die österreichischen Tourismusbetriebe können sich über eine "ausgezeichnete Buchungslage" über die Weihnachtsfeiertage und Silvester bis einschließlich Dreikönig freuen. Der frühe Schnee im November habe das Interesse an Skiurlauben in Österreich zusätzlich angekurbelt, "sehr geholfen" hätten auch Billigflüge vor allem aus Norddeutschland nach Innsbruck und Salzburg, sagte der Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Sepp Schellhorn.

Für die gesamte Wintersaison 2004/05 sei allerdings ein einprozentiges Buchungs- und Umsatzminus gegenüber dem Vorjahr zu erwarten.

Auf Grund des frühen Ostertermins, nach dem die Skiurlaube weitgehend abbrechen werden, und die im Februar auf dieselbe Woche konzentrierten Schul-Semesterferien in deutschen Bundesländern, Belgien, den Niederlanden sowie Wien und Niederösterreich würden dem österreichischen Wintertourismus heuer rund 3 bis 4 Wochen fehlen, stellte Schellhorn fest. Daher könnten die vorjährigen Rekordergebnisse heuer "sicher nicht" erreicht werden.

Negativ: Sparsamkeit der Deutschen
Negativ vor allem auf die Gastronomie wirke sich auch die erhöhte Sparsamkeit der deutschen Gäste aus, die vor allem bei den Nebenausgaben zurückstecken würden, während auf das Skifahren selbst nicht verzichtet werde. Eine verhaltene Konsumation habe man bereits im Sommer gespürt, und auch Skifahren sei "kein billiger Spaß", so der ÖHV-Präsident.

Ein Ausblick auf den Jänner sei schwierig, zumal die Buchungen für diesen Zeitraum immer kurzfristiger und stark von der Schneelage abhängen würden, sage Schellhorn. Wenn es genug Schnee gebe, würden auch die Buchungen gut sein. Über Weihnachten und Silvester sei Schnee hingegen nicht das alleinige Reisemotiv, wiewohl es vor allem in Westösterreich sicher "weiße Weihnachten" geben werde.

Die aktuelle Wirtschaftsschwäche in Deutschland habe dazu beigetragen, dass die Buchungslage für Weihnachten und Silvester "eher zögerlich" angelaufen sei, sagte Verkehrsbüro-Generaldirektor Hans Dieter Toth zur APA. Einige deutsche Gäste hätten sich eher für einen Skiurlaub in der Nebensaison und nicht in der Hauptsaison entschieden, was auch darauf zurückzuführen sei, dass viele Tourismusbetriebe im Winter oft eine Mindestaufenthaltsdauer von mehr als einer Woche vorgeben würden. Die Buchungen bei der Verkehrsbüro-Tochter Eurotours lägen derzeit zweistellige im Plus, auch der Jänner werde "toll" werden, meint Toth.

Hoffnungsmarkt Osteuropa
Zu den Hoffnungsträgern des heimischen Wintertourismus zählen Gäste aus osteuropäischen Ländern, die im letzten Winter 3,9 Prozent aller Ankünfte und 3,5 Prozent der Nächtigungen stellten. Bei den Ankünften und Nächtigungen von Gästen Polen, Tschechien und Ungarn werden teils kräftige Zuwachsraten verzeichnet.

Bei den Auslandsdestinationen sind heuer wie bereits in den vergangenen Jahren besonders Städtetrips nach London oder Rom über die Weihnachtsfeiertage und Silvester beliebt. Gestiegen ist laut Verkehrsbüro auch die Nachfrage bei Reisen in die neuen EU-Hauptstädte wie Prag, Riga oder Talinn.

Die vorige Wintersaison 2003/04 hatte dem heimischen Tourismus neuerlich Rekordergebnisse und 58,1 Mio. Nächtigungen, 13,2 Millionen Ankünfte und 9,4 Mrd. Euro an Einnahmen beschert. Für die heurige Wintersaison hatte das Wifo zuletzt ein dreiprozentiges Umsatzplus prognostiziert, die Österreich Werbung (ÖW) und die Tourismussparte der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) wären nach eigenen Angaben mit einem Erreichen der Vorjahresergebnisse zufrieden.
(apa)

22.12.2004 11:35